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Wenn der Nebel sich lichtet- Venlafaxin absetzen

Es ist ziemlich krass, was grade passiert. Ich habe euch vor gut drei Wochen auf Instagram mitgenommen auf meine Reise: Schluss mit Antidepressiva, nach 15 Jahren. Ich möchte endlich Venlafaxin absetzen. Ausgangspunkt: 225mg, Ziel: runter auf Null. Das Ganze hatte ich ein Jahre lang stufenweise durchgezogen, habe immer wieder um 37,5 mg reduziert. Und an der letzten Hürde bin ich vor kurzem gescheitert. Wobei.. Scheitern ist hier definitiv das falsche Wort.

Venlafaxin absetzen

Da die wenigsten Menschen wissen, welche körperlichen Zustände man beim Absetzen von Antidepressiva erlebt, habe ich meine Reise auf Instagram dokumentiert. Bei der Recherche habe ich gelernt, dass es dabei egal ist, ob Du ein Antidepressivum sechs Wochen oder sechs Jahre einnimmst. Die Zustände sind immer sehr ähnlich.

15 Jahre Antidepressiva

Ja, solange habe ich schon mit diesen kleinen Pillen zu tun. Und ich habe hier auf dem Blogazine auch schon meinen Standpunkt dazu erläutert. Ich verteufele die Tabletten nicht. Wer so am Boden ist, dass nichts Anderes mehr hilft, der sollte sich die Unterstützung holen. Nur ist eben die Gefahr da, statt Therapie und Auseinandersetzen mit dem Ursprung der Krankheit, zu schnell dazu zu greifen.

Damals war ich beim Radio- nach Außen immer gut gelaunt..

Ich bin jetzt 36. Mit Anfang 20 hatte ich begonnen, Antidepressiva zu nehmen. Ich kam damals ins Krankenhaus, mit der Diagnose “mittelschwere Depression und Panikattacken”. Ich fing an mit dem Medikament Citalopram, um morgens in den Tag zu kommen und nahm abends Remergil, zum Runterkommen. Tavor, ein Beruhigungsmittel, wenn die Panikattacken ganz schlimm waren. Nach dem Krankenhausaufenthalt nahm ich ungefähr 15 Kilo zu. Es folgten intensive Jahre mit einer Verhaltenstherapie und einem sogenannten Angstmodul. Die Panikattacken hatte ich damit gut im Griff. Als ich versuchte, die Medikamente abzusetzen, kam die Depression wieder. Ich ging wieder stationär und wurde auf Venlafaxin aufdosiert. Mittlerweile war ich Mitte 20. Ich begann eine tiefenpsychologisch basierte Therapie, um weiter an mir zu arbeiten- mich verstehen zu lernen.

Ein aufregendes Leben

Ich hatte immer ein sehr aufregendes Leben, positiv wie negativ. Ich war impulsiv, brach das Studium ab, heiratete mit 24, war mit 26 geschieden. In Beziehungen war es einständiges Auf und Ab. Auch mit meiner Familie gab es immer wieder Probleme. Ich trank zuviel und ging zu viel feiern. Das alles wohlgemerkt unter Antidepressiva- Alkohol und Tabletten vertragen sich sehr schlecht. Trotzdem bin ich aber auch ein sehr lustiger Mensch, liebe es, andere zum Lachen zu bringen. Ich feiere guten Humor, ich bin die Königin der Wortspiele. Und das macht es für mein Umfeld auch so schwer, dieses Gefühlschaos zu verstehen…

Man ist nie NUR traurig. Es wechselt sich ab, wie bei “normalen” Menschen- nur sind die Tiefs viel schlimmer.

Angang 2012 lernte ich den Vater meiner Tochter kennen und wurde schnell schwanger. Zu dieser Zeit nahm ich jedoch immer noch 225mg Venlafaxin und wurde innerhalb von wenigen Wochen auf 0 abdosiert. Rückblickend weiß ich nicht, wie ich das schnelle Absetzen ausgehalten habe. Wahrscheinlich gab mir die Tatsache, dass ich ein Kind in mir trug, so viel Kraft, dass ich die Nebenwirkungen besser verarbeiten konnte.

Ein Leben ohne Venlafaxin? Schwierig

Ein Jahr nach der Geburt unserer wunderbaren Tochter wurde eine verschleppte Wochenbettdepression festgestellt. Ich musste ins Krankenhaus und das war mit Abstand der schlimmste Aufenthalt meines Lebens. Weil ich getrennt war von meinem liebsten Kind, meinem einzigen Sinn des Lebens damals. Innerhalb von vier Wochen wurde ich wieder hochdosiert auf 225mg Venlafaxin. Ich trennte mich kurze Zeit später von meinem Partner, zog um, baute mir ein neues Leben auf. Die Tabletten nahm ich bis vergangenes Jahr in genau dieser Dosierung.

HEUTE

Dann kam mein jetziger Mann. Und ich wollte wieder runter von dem Zeug.

Warum? Die Gründe sind vielfältig:

Ich habe über die Jahre massiv an Gewicht zugenommen. Venlafaxin hat beim Aufdosieren den Effekt, dass man abnimmt, weil der Körper viel verbrennt, auf Hochtouren kommt. Bei Langzeiteinnahme nehmen die meisten Patienten aber tendenziell zu. Bei mir sind es +15 Kilo. Eine Herausforderung für das Ego…

Nebenwirkungen von Venlafaxin

Auch sogenannte Missempfindungen machten mir zu schaffen. Ich war oft teilnahmslos, was mich sehr erstaunte, da ich eigentlich ein sehr sensibler Mensch bin. Vielen Menschen habe ich damit in meinem Leben vor den Kopf gestoßen, was mir sehr Leid tut. Und on Top das Gefühl, nicht man selbst zu sein. Wer bin ich ohne Tabletten? Diese Frage stellte ich mir mehr als ein Mal.

Ich bin angekommen. Mein Mann, meine Tochter, unser Leben- so wollte ich es immer. Ich habe jetzt schlicht und einfach die Kraft, abzudosieren.

Venlafaxin absetzen

Also, wieder von vorn. Abdosieren von 225mg, Angefangen vor gut eineinhalb Jahren nach meiner Kur. Es ging gut, war schwer, aber machbar. Bis ich zur 37,5 mg Grenze kam. Was dann folgte- war schrecklich. Schwere Albträume, tiefe Traurigkeit, Panikattacken, Schwitzen, Weinkrämpfe, Zaps (fühlen sich an wie Stromstöße). Ganz ehrlich: so stelle ich mir einen Drogenentzug vor.

Seit zwei Wochen habe ich mich entschlossen, die 37,5 mg noch ein wenig beizubehalten.

Wie geht es mir jetzt?

Momentan erhole ich mich immer noch von dem letzten Versuch, die Tabletten ganz weg zu lassen. Und ich merke, wie ich auch mit 37,5 mg mit Dingen konfrontiert werde, die ich über Jahre gut verdecken oder verstecken konnte. Themen wie Eifersucht, Angst vorm Verlassen werden oder andere Mechanismen, die aus meiner Kindheit stammen. Ich hatte sie einfach weggedrückt, die ganzen negativen Empfindungen meiner Seele. Mir ging es zwar schlecht, aber mehr oberflächlich. Ich wusste nicht, warum, aber ich musste schlicht funktionieren, als Alleinerziehende. Da war kein Platz für so viel Selfcare.

Jetzt steht jeden Tag ein anderes Thema auf meiner Agenda, ich analysiere, beobachte, reflektiere. Wenn der Nebel sich lichtet, sieht man klarer. Aber eben nicht nur die Farben, die Freude, das Glück. Sondern eben auch den Schmerz, die Abgründe, die Traurigkeit.

Ausblick

Wie es weitergeht? Ich habe kommende Woche einen Termin im hiesigen Bezirksklinikum. Dort möchte ich mich einer Magnetfeldtherapie unterziehen. Diese hilft vielen Patienten bei Depressionen.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

#fingerscrossed

23 Comments

  • Marc
    26. Juli 2020 at 17:07

    Hi, fand deinen Text ganz gut. Nehme Venlafaxin seit fast 20 Jahren. Ist Das beste AD überhaupt. Allerdings weiß ich auch, dass die Absetzerscheinungen richtig übel sind.
    Habe immer zwischen 75mg und 150mg genommen, da ich bei 225mg schon zittrig wurde. Es hat mir aber gut geholfen. Ich hatte schon das Gefühl dass ich immer noch sensibel bin, aber ab einen gewissen Punkt die Angst nicht schlimmer wurde und ich keine Panikattacken mehr unter Venla hatte.
    Nehme nun seit einem halben Jahr 37,5 mg. Wollte es absetze, aber nach einer gewissen Zeit merkte ich wie die Ängste und Sorgen zurück kamen. Ich bin derzeit psychisch zwar instabiler, habe mich aber gehen erneute Aufdosierung und komplettes Absetzen entschieden.

    Es ist wirklich schwer so eine „Krücke“ loszulassen. Ich bin ja unheimlich dankbar, dass es solche Pillen gibt. Aber was die mach so langer Zeit im Körper anrichten ist denke auch eine berechtigte Frage.

    Gewichtszunahme ist mir direkt durch die Tabletten nicht bekannt. Habe auch nach jahrelanger Einnahme damit abnehmen können.

    LG Marc

    Reply
    • heysister
      2. August 2020 at 16:27

      Hi Marc,
      Danke für Deinen Kommentar. Erst vergangene Woche habe ich mich wieder unterhalten und das Thema “Langzeitschäden” durch Antidepressiva kam auf den Tisch. Ich sage dazu ganz ehrlich: wenn ich die Tabletten nicht genommen hätte- wer weiß, wieviel Schmerz ich hätte ertragen müssen und ob ich das gekonnt hätte.
      Deshalb lebe ich lieber JETZT erträglich bzw. gut- und am Ende werd ich nicht so alt wie “gesunde” Menschen. Wobei, wer ist schon gesund… Deswegen: ich behalte meine Krücke ebenfalls, in einer Dosierung, mit der ich guten Gewissens leben kann.
      Alles Gute Dir!!!
      VG Susi

      Reply
  • Vici
    12. Juli 2020 at 12:50

    Hallo ihr lieben
    Ich stelle mir die Frage und die macht mir teilweise Angst….kann eine Depression geheilt werden oder muss ich damit jetzt mein Leben lang leben ? Dieses auf und ab dieser extremen Gefühle !?
    Ich nehme dieses Venlafaxin seit 7 Jahren …. davon ein Jahr in Begleitung und der Rest ohne … nicht einmal wurde ich gefragt warum und wieso ich es nehme !!!! Ich wurde auf nichts hingewiesen! Dieses Tabletten wurden mir immer vom Hausarzt verschrieben und plötzlich hatte ich Herzrasen! Ich hatte den Verdacht es sei der lange Gebrauch von den Tabletten 💊 doch meine innere Balance schön aus den Gleichgewicht geraten zu sein, laut meines Arztes! Dann sagte mir eine Ärztin, dass sie die Dosis erhöhen würde! Wohlgemerkt hat sie mich sage und schreibe 10min gesehen! Ja ich habe geweint !!! Vor Erleichterung und Dankbarkeit Hilfe zu bekommen! Doch nach 15 min dachte ich mir „oh mein Gott …. du willst davon los kommen und dich frei fühlen“…. jetzt suche ich nach Hilfe und lasse es auf mich zukommen! Dies darf ich mir am Tag 100000x sagen! Denn am Ende bin ich mein eigener Psychologe….
    ich möchte frei von dem Gedanken sein diese Tabletten bei bestimmten oder in bestimmten Situationen zu brauchen !!!! Ich möchte Lösungswege (natürliche) für mich finden um mit den „negativen“ Gefühlen umzugehen! Ich möchte Lust am Leben spüren aus eigener Kraft ….

    Reply
    • heysister
      2. August 2020 at 16:24

      Liebe Vici,
      Auch wenn ich dir Deine Fragen schon auf Instagram beantwortet habe, möchte ich es hier für die Allgemeinheit noch einmal tun.
      Zuerst meine Antwort auf die Frage: “Kann eine Depression geheilt werden?”
      Es gibt 1000 verschiedene Arten von Depressionen, deshalb gibt es keine pauschale Antwort. Leider ist es so, dass die Wunderpille noch nicht erfunden wurde, und jeder ausprobieren muss, was ihm oder ihr hilft.
      Manche Menschen erleben nur einmal eine Depression und dann nie wieder, andere haben eine chronische Krankheit. Was aber am wichtigsten ist: Pass gut auf Dich auf. Achte auf Deine Ernährung, Deine Beziehungen, Deine Arbeit, ja dein ganzes Umfeld. Alles, was Dich runterzieht, raubt Dir Kraft, die Du zum Gesundwerden brauchst. Überprüfe auch Deinen Perfektionismus, der so viele von uns unter Druck setzt. Die Lösungen liegen meist in Dir. Ein Therapeut kann Dir beim Suchen helfen, Tabletten können Dich stabilisieren. Aber Dein Lebenswandel bestimmt Deine Stimmung. Und aus meiner Erfahrung sind die Tabletten das, worüber man sich zuletzt Sorgen machen sollte. Erst die wichtigen Parameter ins Lot bringen. Wenn dann immer noch keine Besserung in Sicht ist, dann kannst Du dich fragen, ob die Tabletten eventuell bleiben dürfen/ sollen/ können.
      Liebe Grüße
      Susi

      Reply
  • Anna
    2. Juli 2020 at 8:59

    Hallo, vielen Dank für Deine Offenheit.
    Ich suche seit Jahren seit einer geeigneten Möglichkeit mein Leben mit der Depression “weiter zu geben” , weil ich denke, dass unser Gesundheitssystem nicht ehrlich mit ADs umgeht und es scheinbar keinen anderen Weg gibt, Patienten zu informieren. Einzig, mir fehlts an Selbstbewusstsein… manchmal.
    Du tust es und das ist so gut!
    Dein Weg kommt mir so bekannt vor. Sitze momentan mit vermutlichen Absetzerscheinungen zuhause bei einer einer Dosis Venlafaxin zwischen 75 mg und 37.5 mg… in jedem Moment Zweifel über jede Entscheidung, die ich im Leben getroffen hab und es tut einfach nur weh.

    Reply
    • heysister
      2. Juli 2020 at 11:03

      Liebe Anna, danke für Deinen Kommentar. <3
      Bitte zweifele nicht an deinen Entscheidungen. Überlege, was Dich daran so ärgert und überprüfe, ob Du es noch einmal machen kannst? Vielleicht nicht an denselben Orten oder mit denselben Menschen- aber vielleicht kannst Du eine ähnliche Situation heute anders bewältigen. Wir sind alle nur Menschen, sei nicht so streng mit Dir. Heute bist Du vielleicht einfach älter und hast dazu gelernt, kannst Situationen neu bewerten. Dein Leben hat noch viel zu bieten, die ADs sind nicht alles.
      Es kommen wieder bessere Zeiten, versprochen!!!!!
      Liebste Grüße!
      Susi

      Reply
  • Markus
    23. Juni 2020 at 15:09

    Hi, ich habe schon öfters abgesetzt, gerade bin ich auch wieder ohne, man empfindet einfach viel mehr ohne, meine Gedanken und Empfindungen sind viel Tiefgründiger. Das absetzen macht mir interessanterweise gar keine Probleme. Für mich ist das einschleichen immer heftig, mit üblen Kopfschmerzen und einer krassen Erstverschlimmerung. Und jedes mal sag ich dann “ich setze nie mehr ab….“
    Und trotzdem mach ich es dann wieder. Aber ich versuche mich jetzt nicht mehr so unter Druck zu setzen. Wenn ich sie im Herbst wieder brauche, dann nehme ich sie halt wieder und werde es nicht mehr ewig hinaus zögern. Weil sie mich dann gut durch die dunklen Monate bringen.

    Viele Grüße an alle Leidensgenossen 🙂
    Markus

    Reply
    • heysister
      27. Juni 2020 at 12:31

      Hi Markus,
      verrückt, dass ausgerechnet das Absetzen Dir nichts ausmacht. Von welcher Dosis gehst Du runter und in welchen Schritten, wenn ich fragen darf? Und hast Du in den dunklen Monaten schon mal eine Tageslichtlampe ausprobiert? Ich schwöre drauf… https://hey-sister.de/tageslichtlampe-bringt-das-was
      Ganz liebe Grüße
      Susi

      Reply
      • Markus
        29. Juni 2020 at 8:48

        Hi Susi, eine Tageslicht Lampe habe ich bereits. Ich nehme eine relativ geringe Dosis. Maximal 75 mg. Das ist bei mir schon die Obergrenze weil ich sonst so über dreht werde und lauter spreche. Das hat mir in der Arbeit auch schon Ärger eingebracht. Außerdem geht mein Blutdruck etwas nach oben. Bei einer Dosis von 37,5 ist alles gut. Auf diese gehe ich meistens wieder runter sobald ich mich stabil genug fühle. Diese Dosis nehme ich dann zum ausschleichen nicht mehr täglich, sondern erhöhe die Abstände immer weiter bis ich sie komplett absetze.
        Liebe Grüße
        Markus

        Reply
  • Stefan
    20. Juni 2020 at 12:59

    Hi ihr.
    Nehm auch seit vielen Jahren Venlafaxin. Bus Okt nur 18.75 mg. Dann hiess es “kann ich weglassen”. Hab ich dann Ende April angefangen. Seit Anfang Juni gehts bescheiden. Ängste
    Panikattaken depri Gliederschmerzen kraftlos Unruhe Nervös.
    Bin recht hoffnungslos.
    Was habt ihr mir für nen Rat? Schleiche es grad mit 1-2 mg pro Tag wieder ein.
    Wird das Alles mal wieder? Seh leider nur sehr trüb.

    Grüße Stefan

    Reply
    • heysister
      21. Juni 2020 at 22:33

      Hi Stefan, zuerst mal: Hut ab! Schön, dass Du Dich getraut hast, es überhaupt zu versuchen.
      Hast Du denn einen Psychiater, der Dich berät? Das ist m.E. unabdingbar. Kein Forum kann ärztliche Beratung ersetzen.
      Leider habe ich keine Erfahrung mit dem endgültigen Absetzen von Venlafaxin, kenne aber Menschen, die es geschafft haben.
      Aber: jeder Mensch ist anders, deshalb: lass Dich unterstützen. Und wenn der Arzt nicht mehr passt, suche Dir einen neuen.
      Eine Umarmung an Dich. Susi

      Reply
  • Mudi Gowayed
    9. Juni 2020 at 21:20

    Hallo,

    Man bekommt auch die 37,5 mg problemlos weg. Ich nahm 18 Jahre lang Venlafaxin und brauchte 6 Wochen um sie abzusetzen. Nach dem kompletten Absetzen hatte ich noch 4-5 Wochen mit Stimmungschwankungen, Müdigkeit, dumpfen Kopf, Geistesabwesenheit zu kämpfen, dann waren auch diese Symptome weg. Heute geht es mir sehr sehr gut ohne Venlafaxine. Das wichtigst ist das letze Stück sehr langsam zu reduzieren. 37,5 mg, davon z.B. 15% weg und zwei bis drei Wochen auf dieser Dosis bleiben. Dann wieder 15% weg und wieder 2 bis drei Wochen auf dieser Dosis bleiben. Wichtig ist es erst dann wieder zu reduzieren, wenn die Symptome ziemlich abgeklungen sind. Ich habe bis 3mg reduziert und diese noch zwei bis drei Wochen genommen bevor ich sie komplett absetzte. Das Geheimnis ist langsam absetzen und jeden Tag Venlafaxin nehmen, nicht versuchen einen Tag zu nehmen und dann einen Tag auszulassen, dann zwei Tag auslassen und wieder einen Tag nehmen etc… Das funktioniert so nicht!!! Venlafaxin hat nur ein kurze Halbwertszeit, daher muss man sie täglich nehmen und die Dosis sehr sehr langsam reduzieren. Dadurch kommt man ohne schwerwiegende Absetzsymptome durch.

    Reply
    • heysister
      9. Juni 2020 at 21:24

      Hey Mudi,
      Danke für deinen Kommentar, das klingt sehr interessant! Vielleicht versuche ich es das nächste Mal auch so. Wie lange bist du schon frei von den Tabletten?
      VG nach Österreich, Susi

      Reply
    • nicole
      15. Juni 2020 at 20:44

      Hallo, könnte man Sie auch privat Kontaktieren? Lg

      Reply
    • Vici
      12. Juli 2020 at 13:17

      Hallo
      Darf ich fragen wie du das gemacht hast? Gibt es diese kleinen mg Tabletten 💊?

      Reply
      • heysister
        2. August 2020 at 16:16

        Hi Vici, ich antworte jetzt mal stellvertretend: man nimmt am Ende die Kügelchen aus den Tablettenhülsen und zählt sie ab. Dann lässt man Kügelchen für Kügelchen weg. Minimum zwei Wochen für eine Kugel. VG Susi

        Reply
    • Angelika
      3. August 2020 at 11:18

      Das hätte ich wahrscheinlich machen sollen: die letzte Dosis gaaaaanz langsam ausschleichen!! Das habe ich aber leider nicht getan – obwohl ich Venlafaxin und davor Citalopram, Cipralex u.a. seit 25 Jahren eingenommen habe.
      Warum ich jetzt keine Antidepressiva mehr nehmen wollte? Vor über einem Jahr wurde ich wegen Depressionen arbeitsunfähig und bin seitdem ganz aus dem Arbeitsleben raus. Da die Arbeit einer der Hauptfaktoren für meine Depression war (dachte ich zumindest) und die nun wegfiel, fing ich an, monatlich in 37,5-Schritten meine Dosis von damals dauerhaft 300mg Venlafaxin zu reduzieren. Ich wollte mich rundum „befreien“ und ging davon aus, dass ich, wenn ich wieder depressiv werden sollte, damit besser und auch alleine fertig werden würde, wenn ich dauerhaft zu Hause bin. Ich kann da ja besser auf mich selbst eingehen. Also fing ich mit dem Absetzen an. Es ging über Monate auch ganz gut, sogar sehr gut, bis ich zur letzten Stufe kam. Seit ca. 3 Monaten bin ich wirklich mies drauf. Zunächst plagten mich Gliederschmerzen und Traurigkeit, jetzt ist es eine fast bodenlose körperliche Erschöpfung und genauso tiefe Traurigkeit. Ich hatte mir diese Zeit anders vorgestellt!
      Zurzeit bin ich in der Phase, dass ich mich noch weiter selbst beobachte. Noch will ich nicht aufgeben und zu Venlafaxin zurückkehren. Ich denke, auch die Umstellung der Lebensumstände (raus aus dem Arbeitsleben, weniger Kontakte auch durch Corona) machen mir jetzt große Schwierigkeiten, so dass ich meine derzeitige Depression auch damit begründen kann. Es ist also vermutlich eine Mischung aus Entzug und einer „begründeten“ Depression. Ich hoffe, dass ich das in den Griff bekomme.
      Ich hätte gerne irgendwo im Internet mal gelesen, dass es jemand in vergleichbarer Situation mit dem Absetzen endgültig geschafft hat….

      Reply
  • Susan
    27. Januar 2020 at 8:45

    Hallo,

    ich nehme auch Venlafaxin 225mg und Turn zeit noch was zum Schlafen.. hatte 2 Wochenbettdepressionen plus 2 Rückfälle- den einen gerade
    Sitze gerad vor der Tagesklinik und bin gestern über deinen Blog gefallen… ich finde es total gut wie du dich öffnest und stehst ja dennoch mit beiden Beinen im Leben…
    ich stand auch immer zwischen jeder Episode im Leben- bin Lehrerin- und habe auch einen super coolen lieben Mann..
    Ich habe 5 Jahre auch die Erhaltungsdosis 37,5 genommen und mir ging es bis Oktober gut damit.. dann leider ein rückfall.. aber das kann auch am Herstellerwechsel liegen , wegen den Lieferengpässen..

    Mich würde interessieren, wann du wieder fit warst und wie du das gemerkt hast?

    Liebe Grüße Susan

    Reply
    • heysister
      27. Januar 2020 at 9:42

      Hallo liebe Susan,
      zuerst: Kopf hoch! Du übernimmst Verantwortung für Dein Leben und ich bin stolz auf Dich.
      Wann ich wieder fit war… hmm.. ich habe ja eine Magnetfeldtherapie absolviert. Damit habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich plötzlich wieder Kraft hatte für Sport, das hab ich sonst nie. -> https://hey-sister.de/magnetfeldtherapie-gegen-depressionen-meine-erfahrung
      Die 37,5 nehme ich trotzdem noch- weil ich merke, dass ich dieses “Kissen” brauche, grade im Winter.
      Warum Du wieder in ein Loch geraten bist, kann viele Gründe haben- der Herstellerwechsel, Hormone, etc pp.
      Ich finde, am wichtigsten ist für uns alle die Selbstliebe. Sich nicht zu verurteilen. Ich habe noch nie einen Krebskranken gesehen, der sich selbst verurteilt hat, weil der Krebs zurückkam nach 5 Jahren (ich möchte keine Krankheiten aufwiegen, nach dem Motto: “was ist schlimmer”- nur dürfen wir uns nicht dauernd verurteilen).
      Gebe Deinem Körper die Zeit, die er braucht.
      Fühl Dich fest umarmt!
      Susi

      Reply
  • Belinda
    19. Oktober 2019 at 8:18

    Hey Sister!♥
    Du schreibst mir aus der Seele.
    So so schnell sind die Tabletten auf dem Tisch des Arztes. Jahre habe ich mich dagegen gewehrt, um mich dann doch ruhig zustellen.
    Seit 2014 in Behandlung und 30 Kilo mehr. Und JA, es kratzt am Ego!
    Danke für deine Offenheit.
    Liebe Grüße
    Belinda

    Reply
    • heysister
      19. Oktober 2019 at 13:48

      Liebe Belinda!
      Ich versteh dich so gut. Und auch für mich ist es interessant, andere Geschichten zu hören. Denn ich stelle fest: ich habe IMMER mehr Geduld/Liebe/Nachsicht mit anderen Menschen. Wieder was gelernt für meine eigene Akzeptanz!
      Fühl Dich gedrückt!
      Susi

      Reply
  • Jules
    17. Oktober 2019 at 0:50

    So so mutig!!! Danke, dass du das mit uns/mir teilst!

    Reply
    • heysister
      17. Oktober 2019 at 8:40

      Danke liebe Jules! Ich freue mich, dass der Beitrag sich so gut verbreitet und das Feedback überwiegend positiv ist.
      So macht das jahrelange Strugglen endlich Sinn- wenn Andere lernen können, was ein Leben mit Depression bedeuten kann oder einfach wissen: ich bin nicht allein.
      Liebe Grüße <3 Susi

      Reply

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