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Als Gründerin durch die Coronakrise: Drei Frauen erzählen

Dass unser aller Leben seit ein paar Wochen nicht mehr so funktioniert, wie wir es gern hätten, ist eine große Herausforderung. Kurzarbeit, fehlende Kinderbetreuung, Home Schooling und Social Distancing restriktieren uns massiv. Jede*r hat mit anderen Gegebenheiten zu kämpfen- doch diejenigen, die gerade erst gegründet haben, trifft es am härtesten. Und auch wenn in diesen Tagen die ersten Lockerungen der Quarantäne Maßnahmen anstehen- der wirtschaftliche Schaden ist und bleibt enorm. Auch wir von HEY Sister haben auf dieses Problem hingewiesen. Heute geben wir drei Gründerinnen aus unserer Community die Möglichkeit, zu erzählen:

Als Gründerin durch die Coronakrise: 3 Frauen erzählen

“Das Interesse der Kunden ist gerade das Wichtigste.”

Margot Gerlitz, Regensburg


Margot Gerlitz ist Sängerin, Gesangslehrerin und Co-Gründerin des Bio-Cafés Valea (hier geht’s zum Artikel). Die 34-jährige steht durch ihre verschiedenen Standbeine noch relativ stabil da. Doch natürlich begann die Krise für sie zum schlechtesten Zeitpunkt:

“Da wir das Valea erst am 01. April eröffnet haben, ist es natürlich doppelt schwer. Wir wollten ja auch vegane Lebensmittel verkaufen- haben anfangs aber gar keine Ware bekommen. Das hat sich in den letzten Wochen glücklicherweise geändert. Da unsere Eröffnung sich langsam herumspricht, kommen auch immer mehr Kunden. Trotzdem merkt man den Menschen ihre Verunsicherung an.”

Im Café wird nun jeden Tag ein anderes Essen zubereitet, das Margot und ihr Team “to go” anbieten. In ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Sängerin sind die Auftritte bis in den August abgesagt, Gesangsunterricht bietet Margot im Moment online an. Was die Kunden für sie tun können, frage ich Margot. Ihre Antwort erstaunt mich:

“Sie sollen einfach vorbeischauen. Sie müssen gar nicht unbedingt etwas kaufen- wir freuen uns schon, wenn wir sehen, dass Interesse da ist.”

Was die die 34-jährige im Moment mehr umtreibt, ist dieser Gedanke: Wie wird unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen? Margot befürchtet, dass sich der Trend, dass kleine Läden von großen Ketten verdrängt werden, noch verstärkt.

“Die Krise hat mir ganz deutlich meine Fähigkeiten vor Augen geführt.”

Silva Schwabe, Ingolstadt & München

Silva Schwabe ist Hypnosetherapeutin, Coach und Logopädin. Auch sie hat sich kurz vor Beginn der Coronakrise selbstständig gemacht- doch seit März fehlen ihr rund 60% der Einnahmen. Die staatliche Unterstützung hat sie beantragt, bislang wurde aber nichts ausgezahlt.

“Am Anfang hat man die Verunsicherung der Kunden deutlich gespürt. Die Menschen mussten erst einmal lernen, mit den neuen Lebensumständen umzugehen. Und so ähnlich ging es mir auch: Ich erhole mich langsam und finde neue Wege. Ob diese dann auch langfristig umsetzbar sind, wird sich zeigen. Ich bin aber positiv gestimmt.”

Silva setzt auf eine ausgefeilte Marketingstrategie, um ihr Onlinebusiness zu boosten. Dies funktioniert nicht nur bei Coachings, auch Hypnose lässt sich über eine Videoleitung zum Klienten durchführen. Außerdem suchte sie sich in den vergangenen Wochen andere Coaches für Kooperationen, frei nach dem Motto #bettertogether. Nun stehen mehrere neue Projekte an, die Face to Face Sitzungen sind wieder erlaubt. Durch die Krise musste Silva lernen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen:

“Ich bin gelernte Logopädin, Hypnotiseurin, NLP Coach und habe diverse Weiterbildungen in diesen Bereichen. Durch die Krise war ich gezwungen, alle Fähigkeiten genauer anzusehen- und zu verknüpfen. Gerade komme ich mir vor wie ein Jongleur, der nun all seine Fähigkeiten zum Wohl der Menschen einsetzen kann.”

“Meine Hausbank sagte mir, es wäre doch besser, gleich die Insolvenz anzumelden.”

Sabine Stephan, Schwäbisch Gmünd

Sabine bei der Eröffnung (09/2019)

Café Betreiberin Sabine Stephan sieht langsam Licht am Horizont… denn seit gestern steht fest, dass sie ihr OH MOTHER voraussichtlich Ende Mai wieder öffnen darf.

“Ich musste das Café am 17. März schließen, das war ein harter Schlag. Bei uns sollte eigentlich gerade die Freiluft-Saison losgehen: Die Terrasse war aufgebaut und wir waren jeden Sonntag für Feiern ausgebucht. Dann die Hiobsbotschaft: fast zwei Monate Lockdown. Am Montag (5.5.) haben wir nun mit einem Straßenverkauf begonnen. Die Gäste haben die Möglichkeit, via Whats App zu bestellen. So weiß ich, was ich ungefähr für den Tag produzieren kann. Die Reste werden dann über die App too good to go angeboten.”

Für Sabine ist der Straßenverkauf allerdings eine absolute Notlösung. Die zweifache Mutter hat ihr Café im September eröffnet und im Februar noch eine Investition in Form eines hauseigenen Kids Club getätigt. Die Reserven sind komplett aufgebraucht. Die Soforthilfe hat die Gründerin bereits bekommen, nämlich 9.000 € für drei Monate. Für Sabine und ihre Angestellten ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch die von der Regierung angekündigten “unbürokratischen und schnellen Überbrückungskredite” sind so nicht in Sicht:

“Meine Hausbank sagte mir, es wäre doch besser, die Insolvenz anzumelden, um den Schaden gering zu halten. Das war so frustrierend. Ich war sauer!”

Als Gründerin durch die Coronakrise

Auch die Aussicht einer Öffnung Ende Mai erleichtert Sabine nicht wirklich, denn die Öffnungen werden mit Einschränkungen verbunden sein. Das bedeutet Umsatzeinbußen von mindestens 50%. Ein gastronomischer Betrieb rechnet sich aber meist erst bei 70% Auslastung. Deshalb zählt für OH MOTHER Chefin Sabine grade jeder einzelne Kunde.

“Bei uns im Landkreis gibt es ein Gutscheinportal, darüber können meine Gäste Gutscheine bestellen. Das ist eine tolle Sache und wird gut angenommen. Ansonsten hilft mir jeder verkaufte Kaffee oder Kuchen, der über die Theke geht- genauso wie Werbung und Mundpropaganda.”

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#supportyourlocal ist also so wichtig wie nie zuvor. Jetzt und voraussichtlich auch in den nächsten paar Monaten.

Danke an Margot, Silva und Sabine, dass Ihr so offen wart- wir wünschen Euch von ganzem Herzen, dass Ihr es schafft, erfolgreich als Gründerin durch die Coronakrise zu kommen.

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