Liebe & Sex Wohnen

Liebe ja- aber in getrennten Wohnungen!

3. November 2018

Wieviel Raum braucht die Liebe? Diese Frage beschäftigt mich in letzter Zeit immer wieder. Schon seit Längerem fasziniert mich der Gedanke, eine Beziehung zu führen, die dauerhaft in zwei verschiedenen Wohnungen stattfindet. Das Leben miteinander teilen- aber nicht zwingend die vier Wände.

Auf dem letzten Mädelsabend sprach eine Freundin das Thema ebenfalls an. Die Liebe sei etwas ganz Wunderbares, sagte sie- aber um den Zauber zu erhalten, seien getrennte Wohnungen unabdingbar. Auch dann, wenn man bereits verheiratet sei und Kinder habe.

Natürlich stieß diese Ansicht in unserer Runde nicht bei allen auf Gegenliebe. Unromantisch war noch der netteste Kommentar, unpraktikabel und realitätsfern der häufigste. Und doch lässt mir das Thema keine Ruhe.

Zusammen getrennt – getrennt zusammen

Ich bin 35 Jahre alt und klar, ich habe schon ein paar Trennungen hinter mir. In den letzten 10 Jahren bin ich mit zwei Männern zusammengezogen- mit dem Ergebnis, dass ich nach der Trennung nicht nur mit meinem Leben von vorn anfangen musste (Umzug, neuer Job), sondern auch in Sachen Geld komplett fertig war. Eine Scheidung kostet Geld, aber einen ganzen Haushalt neu zu kaufen, noch mehr.

Da überlegt man sich’s beim nächsten Mal… wie man das Ende einer Beziehung vermeiden könnte. Und die räumliche Trennung ist- für einige- zumindest ein Lösungsansatz. Durch den Abstand wird nichts selbstverständlich, jeder hat Raum zum Rückzug, kann sein Verständnis von (Un-)Ordnung leben, ohne den anderen zu nerven. Die Begegnung an sich wird nicht selbstverständlich.

Meine Muse Frida Kahlo und ihr Diego wohnten zu ihren Lebzeiten einige Jahre zusammen im sogenannten Blauen Haus in Mexiko. Aber eben auch einige Jahre getrennt in  zwei Wohn- und Atelier-Gebäuden, die durch eine Brücke miteinander verbunden waren. Ein Traum.

 

Frida Kahlos & Diego Riveras Haus in San Angel – via Wikipedia

 

Immer mehr Paare entscheiden sich ganz bewusst für eine Beziehung in getrennten Wohnungen. Living Apart Together (LAT), wie es auf Neudeutsch heißt. Meist sind es Menschen, die schon etwas älter sind, Ü 40 und Ü 50. Sie haben die erste Lebensphase bereits hinter sich, die Kinder sind groß, das Leben wird wieder freier gestaltbar und vor allem wird der Rest des Lebens jetzt gelebt, wie es einem beliebt.

Denn die große Crux beim LAT Modell: wenn Kinder im Spiel sind, fängt es an zu bröckeln. Zwei Wohnungen sind schlicht und einfach oft unbezahlbar. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass vor allem sehr privilegierte und intellektuelle Paare (und Familien) auf diese Art und Weise leben.

Wenn ein Paar Kinder bekommt, wird dem Individuum oft der letzte Rückzugsort genommen. Deshalb ist mir und meinem Partner wichtig: wenn wir einmal zusammenziehen, dann brauchen wir eine Wohnung, in der jeder von uns die Möglichkeit zum Rückzug besitzt. Ein Büro, ein eigenes Zimmer. Rückzug ist Freiheit-zusammen Wohnen fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl.

 

 

 In Schweden leben bereits 15% aller dauerhaft liierten Paare in getrennten Wohnungen. Ich sage mal ganz provokativ: Die Skandinavier wissen eben, was glücklich macht… In Deutschland führen übrigens laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung mehr als zehn Prozent aller Paare eine bilokale Partnerschaft.

Wie seht Ihr das?

Gehört das Zusammenwohnen für Euch mit dazu und vervollständigt Euer Verständnis von Beziehung und Familie?

Oder gehört Ihr zum Team Freiheit?

 

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