Lifestyle Psyche

Alleinerziehend, gestresst und dann kommt auch noch Instamom!

8. September 2018

Hand aufs Herz, Schwestern. Jede Alleinerziehende kennt das Phänomen:

Du scrollst Dich durch Instagram und da ist sie. Lächelnd, in einem weißen Zuhause, alles sauber und glänzend, teuer und neu, epiliert und gezupft, in Größe 36 und richtet ihren Kindern die Outfits zurecht.

Instamom

Instamom (Instagram-Mom) ist der Schlag Frau, die mit ihrem SUV zwischen Tennisplatz, Kosmetikerin, Boutique und Kindergarten rotiert. Zwischendurch gibt’s teure Urlaube, neue Handtaschen und ein paar philosophische Sprüche auf die Pinnwand. Der Instagram Husband aka Vater der Kinder verdient gutes Geld, Mama bleibt zuhause und stylt sich selbst, das Kind, die Wohnung. Jahrelang. Jahrzehntelang.

Und dann kommt dieser Post, der Dir kurz die Galle hochkommen lässt: „Mein Mann ist seit gestern auf Dienstreise und die Kleine zahnt #ichkannnichtmehr“ Und dann die vielen Kommentare! “Das schaffst du”, “du bist toll”, etc. pp. Da fällt es mir eeeecht schwer, cool zu bleiben. “Ich bin immer allein”, möchte ich schreien! Ich hab keinen Goldesel UND bin immer allein UND mein Kind zahnt. UND UND UND!

Ich war angepisst vom Post einer fremden Frau. Angepisst von ihrem Wohlstand, ihrer Naivität und ihren perfekten Beachwaves auf dem hübsch geschminkten Kopf, den Heels zu den mageren Beinchen im Minikleid. “Du hast doch keinen Plan vom Leben”, möchte ich ihr entgegen schreien.

Das ist peinlich.

Peinlich, ja, Aber für mich. Denn: Wieso macht mich das so wütend? Wieso fordert es mich so heraus? Klar, weil Alleine sein mit Kind furchtbar anstrengend ist. Und Geld verdienen auch. Und dass niemand da ist, der einen in den Arm nimmt, auch.

Aber Stop. Ich bin verantwortlich für mein Leben und Instamom für ihres. Ich treffe meine Entscheidungen und sie ihre. Ich bin alleinerziehend, sie nicht. Ich zahle 800 Euro Miete, sie null. Klar, dass sie einen anderen Lebensstandard hat. Aber das suchen wir uns alle selbst aus. Wir sind verantwortlich für unser Leben.

Ich will selbst Geld verdienen, kreativ sein UND Mama. Egal ob mit Partner oder ohne. Und deswegen ist Neid völlig fehl am Platz. Das müssen meine Seele und mein Geldbeutel jetzt nur noch schlucken.

Neid entsteht nur, wenn Dir etwas fehlt.

Beispiel: Wenn ich jemanden sehe, mit wunderschönen langen glänzenden Haaren, werd’ ich neidisch? Nein, es interessiert mich nicht, ich lege keinen Wert auf besonders tolle Haare.

Wenn ich aber eine Familie sehe, die scheinbar nur auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs ist, werd’ ich dann neidisch? Ja. Und ich weiß, dass es vielen alleinerziehenden Frauen so geht.

Früher hab ich Mädels wegen ihrer Figur beneidet. Jetzt, wenn sie Familie haben.

Aber..

Was erwarte ich denn von der Welt? Dass alle geschieden und alleinerziehend sind, damit mein eigenes Leid kleiner wird? Sicher nicht. Ich bewundere eigentlich jede Familie, die es schafft, zusammen zu bleiben. Ich empfinde tiefsten Respekt für jede funktionierende Ehe.

Denn: Ob Frau arbeitet oder nicht. Ob sie auf dem Tennisplatz steht oder nicht, JEDE hat ihr Päckchen zu tragen. Sogar Instamom.

Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist auf den gestellten Bildern. Denn eigentlich, ist das, was uns unterscheidet, vor allem eines:

Ich bin ehrlich.

Sie ist Instamom.

  • Reply
    Susa
    19. September 2018 at 8:14

    Liebe Susi,
    deine Ehrlichkeit ist echt entwaffnend und du hast so recht mit dem was du schreibst!
    Ich bin zwar kinderloser Single, aber der “schöne Schein” hinter jeder Instagram-Fassade (ob Insta-Mom oder Insta-Girlfriend oder Insta-Dog :)) treibt mich manchmal auch zur Weißglut.
    Das Leben ist nicht eitel Sonnenschein und gerade in Momenten in denen man selbst schwach, angreifbar und mit sich selbst unzufrieden ist, nerven einen die perfekt inszenierten Klein-Universen auf Instagram.
    In diesen Momenten rufe ich mir die Dramen hinter der Instagram Fassade ins Gedächtnis.
    Auch perfekt gestylte Insta-Moms haben “ihr Päckchen Leid” zu tragen. Und das zu wissen ist beruhigend.
    Fühl dich umarmt!
    Susa

    http://www.misssuzieloves.de

    • Reply
      heysister
      19. September 2018 at 12:55

      Hey Susa! Ja, das versuch ich mir auch zu sagen. Außerdem macht Neid unglücklich und gibt einem das Gefühl, nicht zu “reichen”. Dabei setze ich einfach andere Prioritäten. Der Perfektionismus heutzutage kotzt mich an.. nicht mit mir! 😉 Danke für Deinen Kommentar, hab mich sehr gefreut! Susi

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