Lifestyle

Ich hasse backen. Über Plätzchen-Fertigteig und falsche Erwartungen

29. November 2018

Heute war ich im Supermarkt, auf der Suche nach Plätzchen-Fertigteig.
Ja, Ihr habt richtig gehört. Plätzchen-Fertigteig. Das ist quasi die große Schwester von Tiefkühl-Torte. Man kauft das am Besten inkognito. Sonnenbrillen im Winter sind aber leider affig. Deshalb muss man sich wohl oder übel die Blöße geben und sich mit Erwerb eines solchen Mürbeteiges auf die Fahne schreiben:

Ich kann nicht backen.

Und was noch viel wichtiger ist: ich will auch eigentlich gar nicht.

In der romantischen Vorweihnachtsstimmung, angefixt von himmlischen Instagram Weihnachtsbäckereien UND weil ich eine kleine Tochter habe, versuche ich zwar es immer wieder. Die Vorstellung, dass ich mich doch mal für zwei Stunden in eine gütige, rotbäckige, dickbusige Mama mit weißer Rüschenschürze verwandeln könnte, geistert durch meinen Kopf. Ich könnte ein Dutzend verschiedene Plätzchen backen. Mit Schokoüberzug und Marmeladenfüllung. Nussecken, Schokoladenbrot, Vanillekipferl undundund. Die würde ich dann in schöne Beutelchen geben mit Schleifen dran und alle, die die Plätzchen probieren, würden AHHH und OHHHHH sagen. Aber- die Realität sieht anders aus.

Letztes Jahr hatten wir einen Teig, der so gar nichts konnte. Er pappte dermaßen, dass er sich weder rollen noch ausstechen ließ und nach einer halben Stunde Kampf landete er im Mülleimer.
Alles, was wir von der Backaktion hatten, war: überall Mehl. Aus “Ah” und “Oh” wurde lediglich ein “Ups”.

Zurück in die Gegenwart:

Um mir wenigstens den Aufwand des Teig-Machens zu ersparen, suche ich mich also im Supermarkt gute 15 Minuten lang quer durch alle verfügbaren Kühltheken, nur um festzustellen: da ist nix.

Ich mache mich auf die Suche nach einer kompetenten Verkäuferin im besten Alter, als plötzlich der hübsche junge Mann von der Kasse fragt: “Kann ich Ihnen helfen?”

Autsch. Der erste Schmerz: Er siezt mich. Ich bin offiziell alt. Egal, dann kann ich auch nach Fertiggteig fragen. Er sieht mich feixend an und sagt: „Sowas gibt’s?“
Ich lächle zähnebleckend zurück und frage: „Wie machst du denn deine Plätzchen?“

„Touché“, sagt er und geht mit mir durch die Reihen. Wir finden nichts. Kein Fertigteig weit und breit.
Er schreit nach dem Filialleiter. Ich komme mir vor wie der Mann aus der Werbung aus den 90ern, dessen Einkauf kommentiert wird:

„Tina, wat kosten die Kondome?!?!?!“

Der Abteilungsleiter schickt uns wieder zurück zur Kühltheke ganz links. Da, bei der Butter, da, da liegt er doch, der Teig!

„Und, schmeckt das?“ fragt mich der Hipster-Verkäufer lächelnd. Ich verkneife mir, ihn zum Testen einzuladen und sage stattdessen nur:
„Ich hab keine Ahnung, aber ich hab ein Plätzchen Trauma vom letzten Jahr. Da sind meine nämlich nix geworden, dieses Jahr geh ich auf Nummer sicher.“

Eine Dame mit Plastikhaube über der Dauerwelle betritt die Szene.

„Platzl selber macha? Mei, da nehmen’s bissl Zucker, Butter und Mehl und fertig. Aber heut zutag, da kann ja niemand mehr kochen.“

Bäm.

Ich schaue sie an. Baff. Mein Blick wandert von ihrer Plastikmütze über die Kunstpelzstola in ihren Wagen. Dann lächle ich die Dame an und sage: „Hey, und was haben Sie da? Lecker, Fertigpizza! Hefe, Mehl, Wasser. Fertig wär der Teig, oder?“

Sie sieht mich mit weit aufgerissenen Augen an, murmelt etwas wie „Sowas Unverschämtes“ und geht.

Und ich frage mich: muss das sein?

Ich fahre heim und hole meine Tochter vom Kindergarten. Wir backen.

Nach zehn Minuten Herumgepatsche lässt ihre Aufmerksamkeit nach. Ich frage sie, was los ist. Sie sieht sie mich an und sagt: “Mama, darf ich jetzt malen? Ich mag nicht mehr.“

.

Ich liebe Dich, Kind. Wo war eigentlich nochmal der Rotwein?

Das Mehl mach ich später weg.

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