HEY Sisters

HEY Sisters: Stefanie Penz von texthungrig

5. November 2019

Lange habe ich darauf gewartet- heute hab ich endliche eine waschechte digitale Nomadin hier in meiner HEY Sisters Reihe: Autorencoach und Buchmarketing-Expertin Stefanie Penz von texthungrig. Die 40-jährige unterstützt Sachbuch- und Romanautoren beim Online Marketing und Verkauf ihrer Bücher. Sie selbst sagt über ihren Beruf:

  “Eigentlich könnte man mich Buch-Doktor nennen. Denn ich kümmere mich um Bücher wie Patienten: Wenn sie sich nicht verkaufen, sehe ich mir die Situation an und schlage Lösungen vor. Es gibt nie „den einen Weg“, sondern immer nur den persönlichen Weg, der auf die eigene Situation passt.”

 

 

Stefanie, wie war Dein beruflicher Werdegang?

Man kann sagen: Ich bin mit 39 ungeplant dort gelandet, wo ich mit 18 hin wollte. Ich lese und schreibe für mein Leben gerne- aber nach dem Abitur in Wien redete man mir das Germanistik-Studium aus. Also ging ich nach Irland, wo ich vier Jahre für eine Fluglinie in Dublin tätig war. Nebenbei schloss ich im Abendstudium eine PR-Ausbildung ab. Nach 9/11 ging es mit der Fluglinie bergab und ich kehrte zurück nach Österreich. 2010 fing ich bei einer multinationalen Hotelfirma an, zwei Jahre später ließ ich mich als Managerin nach Mexiko Stadt versetzen. Von dort aus bereiste ich fast alle Teile Mittel- und Südamerikas. Neben der Arbeit fing ich aus einer starken Motivation an meinem Lebensthema Veganismus an, Bücher zu schreiben und sie als Selbstverlegerin bei Amazon zu veröffentlichen. 2017 zog ich unter meiner Konzernkarriere einen Schlussstrich, weil ich mich nicht mehr mit den Werten identifizierte- ich gründete texthungrig. Das geschah nicht von heute auf morgen, sondern brauchte wochenlange Reflektion über den Sinn des Lebens.

Was ist das Schöne an Deiner Arbeit?

Menschen, die heutzutage Bücher schreiben, sind etwas verrückt: Sie schreiben monatelang an einem Buch, das sie als Ebook für etwa 5 Euro und als Taschenbuch für etwa 10 bis 15 Euro verkaufen. Nur wenig andere Produkte brauchen so lange Arbeit und verkaufen sich für so einen niedrigen Preis. Ich liebe diese verrückten Menschen heiß und innig. Sie machen eine der kreativsten Arbeiten überhaupt: Sie erschaffen als Romanautoren ganze Welten und Charaktere- als Sachbuchautoren nehmen sie Sachthemen auseinander und stiften für ihre Leser großen Mehrwert. In jedem Buch steckt unglaublich viel Herzblut, Zeit und Kreativität! Ich freue mich, wenn ich Autoren helfen kann, mehr Bücher zu verkaufen; egal ob über Amazon, Social Media oder ihre eigene Webseite. Online hat man riesige Marketing-Power! Noch mehr freue ich mich, wenn die Autoren selbst in die Umsetzung gehen. Ein Moment, den ich in meiner Arbeit ganz besonders liebe: Wenn die Autoren sehen:„Das ist gar nicht so schwierig oder technisch wie ich gedacht habe! Ab jetzt mache ich Marketing mit links“.

… und was nervt?

Schlangengruben und Männerbünde.Die Online Marketing-Welt, in der ich mich bewege, ist ein Abklatsch der Realität: Frauen liefern sich lieber ans Messer, als sich gegenseitig zu unterstützen und Männer verklüngeln sich leidenschaftlich gerne mit anderen Geschlechtsgenossen und blenden Frauen als Experten aus. Woran man das merkt? An digitalen und virtuellen Seitenhieben unter Frauen. Wenn eine Frau mal erfolgreich ist, springen andere oft auf und kritisieren sie für irgendetwas an den Haaren herbeigezogenes. An Konferenzen und Fachbüchern, die zu 80% von Männern dominiert werden. Und Schnorrer: Fast jede dritte Anfrage von Männern dreht sich um meine Preise und ob ich sie nicht verhandle oder ihnen kurz mal kostenlosen Rat geben könnte. Dabei frage ich mich immer, ob sich Männer so etwas einem männlichen Marketing-Experten gegenüber herausnehmen würden. Wahrscheinlich nicht. Es ist ein absolutes No Go für mich geworden, mich auf Schnorrer einzulassen. Ich empfehle zu diesem Thema allen Selbstständigen den großartigen Zeit-Artikel der österreichischen Journalistin Sibylle Hamann: „Kreative Arbeit – Zahlen bitte!“.

Home Office oder Büro?

Keines von beiden. 2017 habe ich habe meine Wohnung in Mexiko Stadt aufgegeben und lebe minimalistisch mit 23 kg an persönlichen Gegenständen in einem Koffer. Das geht sich als Check-In-Gepäck auf jeder Fluglinie aus. Ich miete an den Orten, von denen ich arbeite, Airbnbs oder Wohnungen und arbeite von meinem aktuellen Zuhause oder von Co-Working Offices aus. Dort kann man sich schnell mit anderen digitalen Nomaden und international entrepreneurs vernetzen. Ich liebe die digitale Nomaden-Community: Das sind Menschen, die sich fordern und die der Welt zeigen, dass das Hamsterrad keine Option war.

 

 

Woher holst Du deine Inspiration?

Inspiration entsteht bei mir immer im Austausch mit anderen Menschen: Egal, ob das ein Coaching-Gespräch, ein Austausch auf Social Media, ein Artikel eines Mitbewerbers, ein Podcast einer anderen Selbstständigen oder ein Gespräch mit meinen Freunden ist.Dieses Jahr habe ich einen wichtigen Mindset-Switch bei mir gemacht: Ich muss meine Kunden besser verstehen, um ihnen helfen zu können. Deswegen beobachte ich mehr und höre mehr zu. Auf Social Media-Seiten ist das einfach: Posts lesen, Notizen machen, Unterhaltungen verfolgen. Und Fragen zu stellen ist ganz, ganz wichtig geworden.Ich denke, dass wir in einer tollen Zeit leben: Wir können uns überall mit Experten vernetzen und zu allen Themen eigenständig weiterbilden und filtern, was wir gerade brauchen.

Hast Du Vorbilder?

Ja! Alle Menschen, die in die Umsetzung gehen und die für ihre eigenen Weg Verantwortung übernehmen. In meinem Netzwerk habe ich viele solcher Kontakte und ganz besonders ziehe ich meinen Hut vor erfolgreichen Frauen. Wir leben noch immer in einer männerdominierten Welt und die Männerbünde sind online genau so präsent wie im „echten Leben“. Wir sollten sie von beiden Seiten brechen: Männer sollten Frauen in ihren Konferenzen, Publikationen und Kooperationen Raum geben. Frauen sollten sich gegenseitig pushen und einfordern, dass sie 50% der Präsenz ausmachen. Laut, mit Spaß, selbstironisch und kritisch; nicht verbissen und verhärmt.

Was war die größte Hürde beim Gründen?

Die Angst vor dem Nichts. Ich arbeitete für sieben Jahre im abgeschirmten Mikrokosmos eines Konzerns. Der Konzern war Marktführer und wir mussten olympische Unternehmensziele erreichen. Wer sich durchbiss, wurde mit besseren Positionen belohnt. Wenn du da rauskommst, denkst du: Was kann es da noch geben? Ich war auch 38 und meine Familie meinte, dass ich in diesem Alter keinen guten Job mehr finden würde. Die ersten Monate hatte ich fast jeden Tag Bauchweh: Ob das wohl gut gehen würde? Doch mit jedem Auftrag und Kunden-Feedback wusste ich: Das wird gut gehen. Ich kann das. Ich bekomme gutes Feedback. Heute erscheint mir meine Angst vor dem Nichts so unglaublich seltsam. Ich kann jedem Menschen versichern, dass es das Nichts nicht gibt. Die Angst hemmt nur, sich schnell zu entwickeln.

Gab es für Dich Unterstützung seitens des Staates beim Gründen?

Ich habe in Mexiko gegründet. Dort gibt es staatliche Unterstützung und Beratung, die ausreichend ist. Alle andere Unterstützung habe ich in Form von Coachings und Online Kursen zugekauft. Ich sah das als Investment in mich: meine Lücken füllen, damit ich schnell vorwärts komme.

Was ist Dein erklärtes berufliches Ziel?

Ich möchte die Buchmarketing-Leaderin im deutschsprachigen Raum werden. Dabei möchte ich vor allem den Unternehmer-Spirit, der in der englischsprachigen Autorenwelt vorherrscht, bei uns unter den Autoren verankern: Es macht Spaß, Autor und Mini-Unternehmer gleichzeitig zu sein. Es macht Spaß, Bücher zu schreiben, zu vermarkten und zu verkaufen. Es macht Spaß, sein Buch der Welt selbstbewusst anzupreisen. Es macht Spaß, es zum Bestseller zu pushen. Es macht verdammt viel Spaß, das als Frau in einer männerdominierten Buchwelt zu machen und laut zu werden. Es macht verdammt viel Spaß, das alles online zu machen und sich seine eigene Leser-Community aufzubauen.

Was rätst Du anderen Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Ich glaube, jede hat einen anderen Background beim Start. Der wichtigste Gedanke für mich: Wir haben nur dieses eine Leben. Es gibt nur jetzt die Möglichkeit für dich, deine Träume zu verwirklichen. Mache das, was du tief in deinem Herzen willst. Höre auf dich und sei so ehrlich als möglich zu dir selbst: Hast du genug Feuer, um dich durchzubeißen? Hast du den Willen, etwas Großes aus deinen Träumen zu machen? Bist du stark genug, um dem Gegenwind zu trotzen? – Und, auch ganz wichtig: Es gibt für alle Menschen, die in die Umsetzung gehen und Mehrwert für andere schaffen, immer Kunden und Käufer. Egal, wie viele Mitbewerber es schon gibt. Ein großes Learning für mich dieses Jahr: Der Wettbewerb ist nicht so gut, wie er sich nach außen hin darstellt. Wenn du dich mit den Schwächen deiner Mitbewerber auseinandersetzt, kannst du sie für dich nutzen. Du bist du und niemand nimmt dir deine Persönlichkeit.

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Liebe Stefanie, vielen Dank für Dein inspirierendes Interview! Mehr über Stefanie erfahrt Ihr auf ihrer Seite texthungrig, mehr tolle Frauen hier bei den HEY Sisters!

 
 

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