HEY Sisters

HEY Sisters: Wiebke und Svenja von Kursfreunde

12. September 2019

Die bayerische Landeshauptstadt wächst und wächst. Das liegt nicht nur am Zuzug, auch die Geburten werden immer mehr: Rund 18.000 neue Münchner kommen durchschnittlich pro Jahr zur Welt (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Und ja, die Kleinen wollen beschäftigt werden

 Wie gut, dass in München auch die Freundinnen Svenja Arens und Wiebke Wilms leben. Sie kennen sich schon lange, aus dem Studium in Maastricht. Heute sind die beiden Geschäftsführerinnen von Kursfreunde.

Kurse einfach online buchen

Bereits im Studium hatten sich die Frauen mit Start-Ups beschäftigt. Der Traum: mit einem eigenen Projekt ein echtes Alltagsproblem zu lösen. Und genau das machen sie jetzt: denn die Freizeitgestaltung für die ganze Familie ist oft gar nicht so einfach. Wer wenig Zeit hat, sich ausreichend zu vernetzen und so auch mal an echte Geheimtipps zu kommen, tut sich schwer. Das ist mit Kursfreunde Vergangenheit: Seit genau vier Monaten findet auf der Onlineplattform wirklich jede/r die passenden Kurse für sich und seine Liebsten und kann auch gleich bequem online buchen.

 

Svenja (ganz rechts), Wiebke (unten) und ihr Kursfreunde Team

 

Wiebke, Svenja: Was ist das Schöne an Eurer Arbeit?

Puh, da gibt es gaaaanz viel- zum einen an unserer täglichen Arbeit, aber auch an der Selbständigkeit generell. Onlineplattformen werden häufig aus dem Büro gemanagt, das ist bei uns anders. Wir lernen jeden Tag so viele unterschiedliche Menschen kennen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Wir freuen uns auf jedes Gespräch, denn man weiß schon vorher, dass wir Neues lernen und entdecken werden. Das macht das Ganze unglaublich spannend. Generell macht man eine extrem steile Lernkurve durch und man entwickelt sich ständig weiter. Die Ergebnisse der eigenen Arbeit sind sofort sichtbar und man bewertet selbst, was gut funktioniert und an welchen Stellen noch Verbesserungspotenzial besteht. Besonders schön an der Selbständigkeit ist vor allem, dass wir unser eigenes Baby entwickeln dürfen. Es ist ein anderes Gefühl, am eigenen Unternehmen zu arbeiten. Man entwickelt es aus eigener Überzeugung. Schwerpunkte können eigenständig gesetzt werden und man kann selbst entscheiden, worauf man sich fokussiert. Ideen, die aus dem Dialog mit Kursanbietern und Teilnehmern entstehen, können schnell umgesetzt werden. Und das Tolle ist, wir haben Kollegen gefunden, die wirklich hinter unserer Idee stehen, was den Arbeitsalltag unglaublich motivierend und produktiv macht!

.. und was nervt?

Eine klare Antwort: der ständige Kampf mit der Zeit. Man hat so viele Ideen, die man gerne schnell umsetzen möchte, aber einfach zu wenig Zeit. Natürlich spielt ab und an das Geld auch eine Rolle, denn mit mehr Personal würde es dann noch schneller gehen. Aber bis dahin ist es ein ständiger Kampf gegen die Zeit und man denkt häufig, dass man viel schneller hätte sein können. Der Tag hat eben nur 24 Stunden, wovon man 7 Stunden schlafen sollte, um auch langfristig fit zu sein und das Unternehmen mit klarem Kopf aufzubauen. Und da man uns schon als Unternehmensbewohner bezeichnen kann, weil wir fast rund um die Uhr für das Unternehmen arbeiten, fällt die Abgrenzung zum Privatleben mitunter schwer. Kursfreunde ist einfach unser Baby und somit Teil der Familie. Da wird beim Abendbrot auch mal über die richtige Marketingstrategie diskutiert.

 

Wiebke Wilms

 

Homeoffice oder Büro?

Definitiv Büro, solange wir nicht bei unseren Anbietern unterwegs sind. Seit Februar 2019 haben wir nun die Kursfreunde-Zentrale: der Schritt von der Gründung im Wohnzimmer, über das eigene Arbeitszimmer in ein richtiges Büro hat mehr Professionalität und weniger Ablenkung mit sich gebracht. Nebenbei kann jetzt z.B. keine Wäsche mehr sortiert werden. Wir arbeiten noch fokussierter und stärken in den Büroräumen unsere gemeinsame Identität. Zudem ist es uns wichtig, dass wir als ein Team an Kursfreunde arbeiten, alle sich gut kennen und wissen, woran die anderen arbeiten. Das gemeinsame Büro fördert den übergreifenden Austausch. Als Gründerinnen sind uns kurze Wege wichtig und wir genießen es, nah am Team zu sein. Trotzdem sind wir Freunde von flexiblen Arbeitsmodellen, sodass auch unsere Mitarbeiter den ein oder anderen Tag im Homeoffice einlegen können.

Woher holt ihr eure Inspiration?

Wer schon einmal mit Kursanbietern zu tun hatte weiß, dass es sehr kreative, offene und zielorientierte Menschen sind, die ihre persönliche Leidenschaft weitergeben wollen und es daher lieben, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Die Geschichten hinter den Unternehmern und Unternehmerinnen ist jeden Tag die größte Inspiration. Am liebsten würden wir jeden ihrer Kurse selbst einmal besuchen, weil uns ihre Begeisterung ein ums andere Mal ansteckt. Besonders schön ist es auch, dass sie sich in ihre Anfangszeit hineinversetzen, uns daraus wertvolle Tipps und ihre Erfahrungen weitergeben und uns nach besten Möglichkeiten unterstützen. Zusätzlich lassen wir uns von der deutschen Start-Up Szene inspirieren. In ganz anderen Bereichen entstehen ähnliche Produkte, von denen man lernen kann. Der Austausch unter Gründern und ehemaligen Gründern hilft uns enorm. München bietet eine stark ausgebaute Start-Up Infrastruktur. Wenn wir noch mehr Zeit hätten, dann würden wir diese gerne noch ausgiebiger nutzen. Nicht zuletzt sind die Gespräche mit Familien und Freunden eine Quelle der Inspiration. Sie versetzen sich in unser Produkt, kennen die Buchung von Kursen aus eigener Erfahrung. So entstehen Diskussionen, die zur Weiterentwicklung von Kursfreunde führen. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die wir aus unserem privaten Umfeld erhalten.
 

Svenja Arens

 

 Habt ihr Vorbilder?

Um ehrlich zu sein, gibt es für uns nicht DAS eine Vorbild. Es ist vielmehr eine Komposition aus vielen Denkweisen, Motivationen, die uns durch die ein oder andere Situation leiten. Wir lassen uns gerne von Unternehmerpersönlichkeiten, aber auch Persönlichkeiten aus anderen Bereichen des Lebens inspirieren. An langen Tagen hilft es einfach zu wissen, dass es anderen auch so ging, dass es am Anfang einfach kein Zuckerschlecken ist und dass man, wenn man das Endprodukt als Spitze des Eisbergs über Wasser entdeckt, nicht die Arbeit sieht, die erst einmal unter Wasser hineingesteckt werden musste. Darüber hinaus kommen wir beide aus Unternehmerfamilien. Der Wille, etwas Eigenes zu starten, kam daher durch unsere Väter und andere Familienmitglieder. Es wurde bei uns zu Hause schon immer viel gearbeitet. Die Reaktion unserer Familien war extrem unterstützend, als wir sie jeweils mit unser Gründungsidee konfrontierten. Sie waren direkt Teil des kreativen Prozesses und sind es noch heute!

 Was war eure größte Hürde beim Gründen?

Oh, es gibt natürlich viele Hürden, wenn man aus einer Vollzeitanstellung in eine Vollzeit-Gründung stürzt. Dies bedeutet natürlich, dass man gewisse Sicherheiten aufgibt und das für eine ungewisse Zukunft. Zusätzlich ist man auf einmal für ganz unterschiedliche Bereiche verantwortlich, mit denen man vorher noch nicht viel Berührung hatte, wie z.B. Recht und Steuern. Aber auch Bereiche, die man vorher etwas kannte (oder dachte zu kennen) stehen plötzlich wie ein riesiger Berg vor einem, weil man sie komplett unterschätzt hat. Auch hier heißt es, einlesen und durch die Komplexität durcharbeiten. Es kommt alles Schritt für Schritt und führt immer wieder zu kleinen und großen Aha-Effekten, was dann wiederum auch schön ist. Neben der Aufgabe von Sicherheiten und der Aufgabenflut ist aber die Aufnahme eines Kredits sicherlich eine der größten Hürden. Statt jeden Monat sicheres Geld einzunehmen und seine Ersparnisse aufzubauen, gibt man seine Ersparnisse aus und muss noch fremdes Geld aufnehmen. Aber auch hier kam uns ein Motivationsspruch zu Gute – wenn man an etwas glaubt, Fleiß und Durchhaltevermögen hat, kann eigentlich nichts schief gehen. Daher haben wir den Sprung gewagt und ihn noch keine Minute bereut. Es ist nicht immer einfach, aber es funktioniert.
 

 

Wie empfindet Ihr die Unterstützung seitens des Staates beim Gründen?

Die Start-Up Infrastruktur wächst in Deutschland und insbesondere in den großen Städten gibt es bereits viel Unterstützungsangebot für Gründer. Staatliche Institutionen wie die IHK informieren. Auch die staatlichen Banken spielen bei der Finanzierung von Start-Ups eine entscheidende Rolle. Allerdings muss man beispielsweise bei der IHK auch als kleines Unternehmen ohne Umsatz bereits Mitgliedsbeiträge zahlen, sofern man eine juristische Person ist. Zudem sind die Anforderungen bei Beantragung von Gründungsunterlagen, Fördermitteln etc. immer noch sehr hoch und umfangreich. Strukturen könnten noch weiter vereinfacht werden. Auch gibt es noch nicht für alle Gründer Fördermittel: so kann man beispielsweise aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen und einen Gründerzuschuss beantragen. Einen vergleichbaren Zuschuss gibt es aber nicht, wenn man selbst gekündigt hat oder aus einer Anstellung gründet. Wenn man private und staatliche Förderungen vergleicht, passiert in der Start-Up Szene immer noch viel durch private Initiativen, große Unternehmen und Venture Capital Fonds. Der Staat hat also aus unserer Sicht weiterhin Aufholbedarf, auch wenn die Strukturen bereits besser geworden sind.

Was ist euer erklärtes berufliches Ziel?

Die Frage ist einfach: Kursfreunde aufbauen und groß werden lassen, damit wir möglichst vielen Menschen das Leben der Kursbuchung erleichtern und so ein vielfältiges Familienleben und den Ausgleich im Alltag ermöglichen.
Ich, Wiebke, hätte darüber privat als Mama einiges davon. So könnte ich mich inspirieren lassen und Kurse, die meine Kids wirklich mögen, einfach auswählen und direkt online buchen. Kein heimliches Telefonieren während der Arbeitszeit auf der Suche nach freien Plätzen mit Kursanbietern, die nur dann Telefonzeiten haben. Der Extrabonus dabei ist, dass mir die Möglichkeit gegeben wird, durch andere Kursinhalte als die offensichtlichen zu stöbern und so meine Kids einfach mal auswählen lassen kann, was sie wirklich machen wollen.
Und ich, Svenja, würde mich freuen, wenn das Leben meines Patenkindes mit möglichst vielen Kursen bereichert wird. Gerade in Zeiten, in denen die Kinder immer mehr Zeit mit digitalen Medien verbringen, ist der Ausgleich durch Aktivitäten in der offline Welt extrem wichtig. Diesen möchten wir ermöglichen!
 

 

Was ratet ihr anderen Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Gründet zusammen. Zu zweit ist das Gründen effektiver: man hinterfragt, diskutiert auch mal kontroverse Sichtweisen, hat einen breiteren Erfahrungsschatz, auf dem man aufbauen und mehr Stärken, die man vereinen kann. So entstehen bessere Lösungen und effektivere Entscheidungen. Man kann Verantwortungsbereiche aufteilen. Herausfordernde Situationen, die jede Gründung mit sich bringt, meistert man gemeinsam und kann sich gegenseitig motivieren. Und es ist natürlich viel lustiger und macht mehr Spaß zu zweit zu gründen, aber stellt euch drauf ein: ihr werdet irgendwann wie ein altes Ehepaar wirken, was gegenseitig an kleinen störenden Verhaltensweisen rumnörgelt. 😉

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Liebe Wiebke, liebe Svenja, vielen Dank für das ausführliche Interview und dass Ihr einige wichtige Dinge angesprochen habt! Und ich freu mich jetzt schon drauf, wenn die Kursfreunde nach Regensburg expandieren! 🙂

Mehr tolle Frauen und Gründerinnen findet Ihr wie gewohnt hier im HEY Sisters Archiv.

 
 

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