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Interview: Wie war die Hormontherapie gegen Großwuchs?

27. August 2015

Doreen ist eine wunderschöne junge Frau. Sie wohnt in Augsburg, hat blonde lange Haare, ein feines Gesicht und laaaaange Beine. Sie ist 23 Jahre alt und misst 1,93m. Das ist aber völlig ok für sie, hatten ihr doch die Ärzte vor gut 10 Jahren eine Größe von 2.10m prophezeit! Deshalb hat sich Doreen damals als Jugendliche zusammen mit ihren Eltern für eine Hormontherapie entschieden. Und weil mein letzter Artikel zum Thema so viele von Euch interessiert hat, wollte ich es etwas genauer wissen.

 

 

Doreen, wie alt warst Du, als die Hormontherapie durchgeführt wurde?

Mit ca. 14 Jahren beschäftigten sich meine Eltern und ich aktiv mit der Therapie. Laut der Prognose des Arztes sollte ich ja über 2,10 m groß werden. Diese Schätzung war damals ein echter Schock für mich. Nach Informationsgesprächen mit mehreren Ärzten dauerte meine Therapie ungefähr 3 Jahre lang. Ich musste jeden Tag mehrere Tabletten einnehmen, um die Pubertät frühzeitig zu beenden und somit auch das übermäßige Wachstum. Jeden dritten Monat fuhren wir nach München (damals ca. 2 Stunden Autofahrt hin und zurück), um Messungen und Blutuntersuchungen durchführen zu lassen.

 

Wie groß sind Deine Eltern und warum haben sie sich FÜR eine Hormontherapie entschieden?

Mein Vater ist 1,96m und meine Mama 1,75m. Jedoch ist die Familie mütterlicherseits deutlich größer als der deutsche Durchschnitt. Bereits im Kindergarten und in der Schule war ich größer als gleichaltrige Jungen und Mädchen. Aufgrund meiner langen und mega dünnen Erscheinung wurde ich viel gehänselt. Je älter ich wurde, desto mehr mochte ich nicht „anders“ sein. Meine Eltern unterstützen mich damals wo sie nur konnten, aber mein Selbstbewusstsein war aufgrund der Größe einfach nicht vorhanden. Meine Mama fasste den Entschluss, mit mir zum Arzt zu gehen, um meine mögliche Endgröße feststellen zu lassen. Nachdem die Prognose doch sehr extrem war, wurden wir erstmals weiter zum Gynäkologen überwiesen, um mir die Pille (Hormone) verschreiben zu lassen. Die Pille hätte den Zweck gehabt, die Pubertät und somit auch das Wachstum schneller zu beenden. Der Arzt lehnte es jedoch ab, mir die Pille zu verschreiben, da ich eben noch nicht in der Pubertät war (keine Periode, kein Brustwachstum). Daraufhin verwies mich mein damaliger Kinderarzt weiter nach München, wo wir dann letztlich Hilfe bekamen und viele Informationsgespräche führten. Meine Eltern haben mir diese wichtige Entscheidung überlassen. Dies taten sie, um mich zu unterstützen und mir ein Leben als 2,10m große Frau zu ersparen.

 

Kannst Du dich an die Therapie selbst erinnern? Verbindest Du unangenehme Gefühle damit?

Körperlich veränderte ich mich etwas, aber nicht unbedingt schneller als gleichaltrige Mädchen. Typische Nebenwirkungen einer Hormontherapie wie Übelkeit, Gewichtszunahme, Migräne etc. hatte ich glücklicherweise nicht. Wie jedes pubertierende Mädchen hatte ich auch meine Zickereien und Stimmungsschwankungen. Allerdings war meine erste Periode einfach nur Horror für mich! Ich vermute, dass es an den doch sehr hoch dosierten Hormonen lag.

 

Wie denkst Du heute darüber? 

Ich denke, so eine Entscheidung sollte sehr gut überlegt sein, da es ein Eingriff in die Natur ist. Als 14-Jährige hätte ich glaub alles gemacht, um mein Wachstum stoppen zu lassen. Da meine Eltern merkten, wie wichtig mir dieses Thema war, unterstützen sie meine Entscheidung und dafür bin ich sehr dankbar. Meine „kleine“ Schwester ist mit ca. 1,87m auch groß gewachsen und hat keine Hormonbehandlung durchführen lassen. Sie ist auch weitaus souveräner mit dem „Groß sein“ umgegangen und hätte sich gegen eine Therapie entschieden. Heutzutage sind wir stolz auf unsere Größe und gehen auch in hohen Schuhen außer Haus.

Würdest Du eine Hormontherapie auch bei Deinen eigenen Kindern in Erwägung ziehen?

Da meine Kinder sicherlich sehr groß werden, habe ich mir in der Tat bereits Gedanken gemacht: Bei Schätzungen von über 2,10 m bei einem Jungen und über 1,95 m bei einem Mädchen, würde ich meinem Kind die Wahl lassen, ob es eine Therapie machen möchte. Da die Menschen aber grundsätzlich größer werden, ist die Notwendigkeit einer solcher Therapie Ansichtssache. Vor allem sollte man VOR einer Hormontherapie zunächst alle anderen Möglichkeiten wie Gen-Defekte, Tumore auf der Hypophyse etc. ärztlich abklären. Aufgrund meiner Größe wurde nämlich auch bei mir ein Gen-Defekt vermutet. Dieser Defekt heißt Marfan-Syndrom. Auch hierzu besuchte ich einen Arzt der Humangenetik in München. Die Vermutung bestätigte sich Gott sei Dank nicht.

Ich bereue es nicht, die Hormontherapie gemacht zu haben, verstehe aber auch Menschen, die sich gegen eine Therapie entscheiden und auch so gut mit ihrer Größe zurecht kommen.

 

Vielen Dank Doreen!

 

Fotos: Oliver Musch

  • Reply
    sissi
    30. August 2015 at 22:08

    danke für das informative interview, gut möglich dass ich mit meiner tochter in 10 jahren auch so eine therapie besprechen werde. sie ist jetzt mit 20 monaten schon über 90cm groß….ich hoffe sehr, dass sich die medizin weiterentwickelt und es bis dahin noch bessere methoden mit noch weniger nebenwirkungen gibt!

  • Reply
    G Paul
    29. August 2015 at 7:27

    Hallo,
    ich meine, mich an eine Fernsehsendung zu erinnern, in dem es um die Wirkungen der Pille ging, in der ein Doktor eben auch meinte, dass die Pille dem Körper vortäuscht dass er Schwanger ist, der daraufhin weniger Energie in das Längenwachstum steckt, da er meint die Schwangerschaft bewältigen zu müssen

  • Reply
    Spule
    28. August 2015 at 9:36

    ich hab damals mit 10 Jahren meine Periode bekommen und da diese so extrem stark war auch gleich mit der Pille begonnen, ich war damals schon 1,70 groß und mein Wachstum hat sich dann bei 1,84 eingependelt (mit 12 war ich ausgewachsen). Es wäre echt interessant, ob die Pille da dann irgendeinen Einfluss hatte, oder ob ich ohne noch größer geworden wäre (mit 12 habe ich extrem unter der Größe gelitten, zum Glück bin ich jetzt stolz darauf).
    Eine Prognose haben meine Eltern (mein Vater ist knapp 2 m meine Mutter 1,80, mein Bruder etwas über 2 m) nie machen lassen.
    Ich wusste bis heute auch nicht, dass die Pille einen wachstumshemmenden Einfluss haben kann. Danke für den interessanten Artikel.

  • Reply
    Luise
    28. August 2015 at 8:53

    Mir hatten die Ärzte damals gesagt, ich werde nicht größer als 1,80m.
    Jetzt mit 20 bin ich 1.88m
    Auf Ärzte ist also nicht immer verlass. 😉

  • Reply
    Steffi
    27. August 2015 at 20:59

    Ich wurde vom Arzt auf 1,94m +/- 2cm geschätzt und hab mit 13 eine Hormontherapie begonnen. Bei 1.87m war dann Schluss. Ich habe etwas zugenommen, was nicht schlimm war, da ich eh zu dünn war. Ansonsten hatte ich keinerlei Nebenwirkungen. Ich finde mich in dem Artikel zu 100% wieder.

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