HEY Sisters

HEY Sisters: Vanessa und Olivia von “Münchner G’schichten”

30. März 2019

Heute darf ich Euch gleich zwei bezaubernde Frauen vorstellen: Vanessa Weber von Schmoller und Olivia Hagemann. Die beiden machen Filme- und zwar mit ganz viel Herzblut. 2017 haben sie ihr gemeinsames Baby, die „Münchner G´schichten“ gegründet. In dem Videoblog zeigen sie Kurz- Dokus über spannende Persönlichkeiten aus der bayerischen Landeshauptstadt. Beide Frauen kommen (natürlich!) aus München und haben jeweils zwei Kinder.

 

Vanessa (41)  & Olivia (46)

 

Ihr seid beide voll ins Familienleben eingebunden- und mit aller Leidenschaft am Drehen. Erzählt uns doch zu Beginn etwas zu Eurem beruflichen Werdegang.

Vanessa

Ich habe als Kind bei Tele5 moderiert, in der Kindersendung Bim Bam Bino, mit Bino der Maus. Man könnte sagen, da hat meine Faszination für Film und Fernsehen begonnen. Nach dem Studium habe ich dann viel ausprobiert – habe bei verschiedenen Magazinen gejobbt, Marketing & PR gemacht und bei einem Helmut Dietl Spielfilm ein Praktikum gemacht, bei dem Jan Joseph Liefers Regie geführt hat. Das waren alles ganz wertvolle Stationen und Erfahrungen, aber mir war schnell klar, dass ich beim Fernsehen Reportagen und Dokumentationen machen wollte. So habe ich dann für verschiedene TV Formate gearbeitet, unter anderem für Galileo von Pro7.

Olivia

Gestartet bin ich nach meinem Studium der Theaterwissenschaft beim Spielfilm, habe dort als Script Continuity das Filmhandwerk gelernt – ein sehr harter Job, der mich echt an meine Grenzen gebracht hat. Dann habe ich meine Leidenschaft für den Dokumentarfilm entdeckt und habe meinen ersten Film in Paris gedreht: ein Porträt über einen Modemacher. Eine spannende Erfahrung, bei der ich auch viele Fehler gemacht habe,  aus denen habe ich aber tatsächlich für mein Leben gelernt. Dann habe ich lange für das Fernsehen gearbeitet und mich später dann mit meiner Produktionsfirma “Solitaire Film” selbständig gemacht, mit Imagefilmen.

 

 

Was ist das Schönste an Euer Arbeit?

Vanessa

Dass ich immer wieder eine ganz neue Welt kennenlernen darf. Jedes Thema, das ich porträtiert habe und jeder Mensch, der mir ein Interview gegeben hat, hat mich ein Stück weit in eine andere Welt eintauchen lassen. Hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Und ja – natürlich sind diese Geschichten nicht immer fröhlich, viele Lebenswege sind von vielen Krisen gepflastert, aber das macht sie erst so reich und so interessant für mich. Ich finde es unglaublich, wie Menschen die Kraft aufbringen durch ihre Krisen zu gehen und am Ende daran wachsen. Das inspiriert mich sehr.

Olivia

Ja, es wird nie langweilig. Es ist immer wieder spannend und eine Herausforderung, sich auf neue Themen, Menschen und Situationen einzulassen.  Da ich selbst von Natur aus neugierig und sehr vielseitig interessiert bin, gibt es für mich nichts Schöneres als in die Lebenswelten anderer Menschen einzutauchen und zu versuchen, ihre Geschichte zu verstehen und dabei bestmöglich filmisch umzusetzen.

 

Foto: Amelie Tegtmeyer

 

Und was Nervt?

Vanessa

Zu wenig Zeit zu haben für meine Arbeit, weil ich auch meinen beiden Töchtern (4 und 9 Jahre alt) gerecht werden möchte und deshalb oft in einem inneren Zwiespalt lebe. Morgens Filmemacherin, nachmittags Mama. Beides mache ich zu 100%, aber der Wechsel von einer Rolle in die andere ist schon oft hart. Weil du bei beidem sehr präsent sein musst. Und achtsam. Und oft werde ich gefühlt nicht fertig mit meiner Arbeit, wenn ich meine Kinder abhole und dann fühle ich mich irgendwie selbst „un-fertig“. Und das stört mich dann, weil ich eigentlich sofort bei meinen Töchtern ankommen möchte, innerlich. Und das geht manchmal nicht so schnell. Aber ich werde immer besser im Loslassen.

Olivia

Was mich nervt, ist, dass es nicht immer gelingt, die eigenen Herzensprojekte zu finanzieren und zu realisieren. Das ist leider wie in den meisten kreativen Branchen – es kostet viel Geld und man braucht einen langen Atem. Und auch bei mir ist der der Spagat zwischen Beruf und Familie eine Herausforderung. Meine Töchter sind 6 und 9 Jahre alt. Gerade das Filmemachen braucht viel Zeit und ist nicht immer mit Schul- und Kitazeilten vereinbar. Da muss man viel organisieren, damit das alles machbar wird. Und dieses Gefühl nie mit etwas fertig zu werden -denn immer wenn man gerade mittendrin ist, muss man meist wieder los und die Kinder abholen. Aber das sind ja alles Phasen – die Kinder werden älter und damit wird’s auch einfacher.

 

 

Home Office oder Büro?

Vanessa

Homeoffice und Café Büro – Olivia und ich lieben es uns im Café zu treffen und dort zu brainstormen. Neue Orte regen unsere Kreativität an und außerdem lieben wir guten Kaffee.

Olivia

Das stimmt! Wir arbeiten gern im Café oder auch mal per Skype von daheim aus zusammen. Ich habe zudem ein Büro im Glockenbachviertel, wo ich hingehe, wenn ich konzentriert an einer Sache arbeiten will oder wenn ich mit Vanessa unsere Filme schneide.

Woher holt Ihr Eure Inspiration?

Vanessa

Unsere Themen begegnen uns überall. Beim Abendessen mit Freunden, auf dem Rad, auf einer Veranstaltung, in der Badewanne, auf unseren Social Media Kanälen, durch Tipps von unserer Community, in einem guten Buch…. Ich glaube es gibt unendlich viele Kanäle, wenn man offen ist dafür.

Olivia

So ist es! Ich liebe es, Neues zu entdecken, Menschen kennen zu lernen und zu reisen, da ziehe ich sehr viel Inspiration und neue Ideen raus. Ich lasse mich aber auch von Filmen, Büchern oder Zeitungen inspirieren und von meinem Alltag – z.B.  morgens unter der Dusche- da kommen mir oft die besten Ideen. Grundsätzlich gibt es immer etwas zu entdecken – sogar sehr häufig, wenn ich im Netz unterwegs bin.

 

 

Habt Ihr Vorbilder?

Vanessa

Das ist eine gute Frage, ich glaube nicht direkt. Ich bin immer wieder von einzelnen Menschen beeindruckt, wie sie ihr Leben meistern und wie positiv sie bleiben, trotz ihrer Schicksalsschläge. Ich glaube, das beeindruckt mich wirklich. Der Umgang mit den Dingen, die schwer sind oder waren. Es gibt Menschen, die sind voller Mangel – die sehen ihr Glas immer halb leer. Und dann gibt es Menschen, die zerlachen den Konflikt, die sehen das Potential, das in einer vermeintlich negativen Erfahrung steckt und wollen daraus lernen und daran wachsen. Das sind meine Vorbilder.

Olivia

Ich habe nicht ein einzelnes Vorbild, aber ich finde Frauen toll, aus der Film- und Kreativbranche, die sich treu geblieben sind und ihren Weg trotz Hindernissen gegangen sind. Mich interessieren Menschen, die authentisch sind und trotz Krisen oder Schwierigkeiten ihre Träume verwirklicht haben.

Was war Eure grösste Hürde beim Gründen?

Vanessa & Olivia

Das fehlende Geld. Und das fehlende Netzwerk. Wir mussten sehr viel Zeit, Geld, Kraft und Herzblut in unsere Projekte stecken und dabei extrem kreativ sein, um sichtbar zu werden und unser Netzwerk aufzubauen. Ich finde es auch immer noch schade, dass es nicht viel mehr Vernetzung unter Frauen gibt. Oder Frauen Teams, so wie Olivia und mich. Sie wachsen und sie kommen – aber nur langsam. Oft sind wir Frauen immer noch Einzelkämpferinnen – wie daheim als Mütter – und das macht es (unnötig) viel schwerer. So ein Dorf voller Freunde wäre manchmal toll – wo sich alle gegenseitig helfen und unterstützen. Aber das ist in einer Großstadt einfach nicht so einfach umzusetzen.

 

Foto: Romy Schindlbeck

 

Was ist Euer erklärtes berufliches Ziel?

Vanessa & Olivia

Die Münchner G’schichten zu einer spannenden und profitablen Plattform zu machen, die vom Austausch lebt und eine Bereicherung für die Münchner Kulturszene ist! Interessante Portraits über Menschen machen und vor allem dazu beitragen, Frauen weiter zu unterstützen und nach vorne zu bringen. Wir sind da ein gutes Beispiel, wie man als Team viel mehr erreichen kann, als als Einzelkämpferin.

Euer Rat für andere Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Vanessa

Geht raus! Vernetzt euch! Zeigt euch! Habt keine Angst vor eurer Größe und eurer Einzigartigkeit. Seid authentisch und sucht euch gute Partner. Vielleicht auch eine Geschäftspartnerin. Es geht viel leichter zusammen. Helft einander. Die Männer machen das seit Tausenden von Jahren – und sehr gut. Wir können das auch – wenn wir uns gegenseitig unterstützen. Ich finde, jetzt ist eine gute Zeit dafür.

Olivia

Ich denke, wir Frauen stehen uns oft selbst im Weg und meinen immer, es müsse erst alles perfekt sein, bevor man loslegen kann. Aber, perfekt wird es nie sein und man verliert wertvolle Zeit. Wenn es kein großes finanzielles Risiko gibt, dann besser nicht lange überlegen und einfach loslegen, sobald man einen Plan hat und dann learning by doing! Daher ist mein Tipp (besonders auch als Mutter mit begrenzter Zeit): better done than perfect!

VIELEN DANK FÜR DAS TOLLE INTERVIEW!

Mehr von Vanessa & Olivia gibt’s hier bei den Münchner G’schichten oder auf Facebook. Das hier ist das neueste Werk der beiden: ein Porträt über die Münchner Galeristin Six Friedrich.

 

 

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