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Über Chester Bennington und Doppelmoral

TW Suizid – Die Trauer ist riesig. Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass sich der Frontmann der Rockband Linkin Park, Chester Bennington, das Leben genommen hat. Millionen Fans sind erschüttert, weltweit. Es war zwar kein Geheimnis, dass der geniale Musiker seit Jahren unter Depressionen und schwerem Drogenmissbrauch litt. Dass der Vater von sechs Kindern den Freitod einem Leben auf dieser Welt vorgezogen hat, und das mit 41 Jahren, traf trotzdem eine ganze Generation ins Mark.

RIP Chester Bennington

Ich muss gestehen, ich war weniger getroffen. Ich kenne die Band, klar, ich habe zu den Songs gefeiert. Ich habe mit Anfang 20 in der Disko mitgegrölt und Exfreunde mit ihren Texten verdammt, aber ich hab mich nie näher mit Linkin Park befasst. Chester Benningtons Privatleben und seine Gesundheit waren für mich- bis dato- kein Thema.

In den letzten Stunden arbeitet es aber in meinem Kopf.

Was mich wütend nachdenklich macht, ist, dass einige der Leute, die um den Musiker trauern, im Alltag ganz anders agieren. Denn wenn es aus dem Bekanntenkreis heißt, jemand leidet an Depressionen, dann haben viele dafür nicht mehr als ein müdes Schulterzucken dafür übrig. “Aha..Echt? Selber schuld.”

Selber schuld, soll sich nicht so gehen lassen.

Diese Erfahrung ist rein subjektiv. Genau so habe ich nämlich viele Menschen erlebt, als ich zwei Mal wegen einer depressiven Episode im Krankenhaus war. Dabei war es leider egal, ob es sich um Bekannte, Familie oder Expartner handelte. Depression ist ein Zeichen von Schwäche – zumindest für einige ignorante Menschen.

Depression VIP

Wenn ein bekannter Musiker sich das Leben nimmt, weil seine Welt so schwarz und traurig ist, dass er das Gefühl hat, ihm könne niemand mehr helfen- dann entsteht Aufruhr.  Leider bezweifle ich aber, dass die breite Masse ähnlich viel Anteilnahme zeigen würde, wenn es um Verständnis für den Nachbarn oder den Arbeitskollegen geht. Depressionen sind eine Pest. Nur wer jemals darin gefangen war, wird das volle Ausmaß verstehen. Die Hoffnungslosigkeit, der Schmerz, die Scham.

Sänger Chester Bennington

Chester Bennington, Foto via Wikimedia Commons

Chester Bennington hilft Euer Mitleid nicht mehr. Für Jemanden aus Eurem Umfeld könnte es die Welt bedeuten.

Ps: Mehr zum Thema Mental Health findet Ihr hier.

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