HEY Sisters

HEY Sisters: Ina Preuß von Pollypixelt

21. Juni 2019

Dass “mit Bügelperlen spielen” Spaß macht, weiß ich von meiner 6-jährigen Tochter. Dass man von den kleinen Dingern aber leben kann, das hat mir Polly gezeigt.. oder vielmehr Ina.

HAND MADE PIXEL STUFF

Ina Preuß aus Siegen ist der kreative Kopf hinter Pollypixelt. Im August 2016 hat sie ihre Leidenschaft für die kleinen Plastikstecker entdeckt. Für eine Studioführung bei rocketbeans.tv in Hamburg wollte sie ein Präsent mitbringen, ein cooles pixeliges, das zum Gaming-Thema passt. Die ersten Bügelperlen waren gekauft, das Pixel-Feuer entfacht und Pollypixelt war geboren.

 

 

Ina, welche beruflichen Stationen hast Du schon durchlaufen?

Ich bin eigentlich gelernte Mediengestalterin für Digital- und Printmedien und habe seit meiner Full-Time-Selbständigkeit (2019) Pollypixelt auch dahingehend erweitert, dass ich Design – also zum Beispiel die Gestaltung von Logos, Einladungskarten, Geschäftspapier, Visitenkarten, Papeterie aller Art, Flyern, Katalogen, Webseiten oder oder oder (natürlich auch in Kombination mit den Bügelperlen, da hier ganz klar mein Fokus liegt) – ebenfalls als Leistung anbieten kann. Mittlerweile habe ich 17 Jahre Berufserfahrung und habe dann Anfang des Jahres alles auf eine Karte gesetzt- und bin jetzt komplett selbstständig mit Pollypixelt.

Was ist das Schöne an Deiner Arbeit?

Dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind und man – anders als als Mediengestalterin – nicht nur am PC arbeitet. Cool, wenn man ein Bild aus seinem Kopf (oder bei den Portraits von dem Foto, dass der Kunde angeliefert hat) ohne PC direkt mit Pinzette auf die Bügelperlen-Platte bringen kann. Man kann neue Ideen direkt umsetzen und ausprobieren. Das Abstimmen mit den Kunden fixt natürlich immer zusätzlich an und das Beste: Die Reaktion der Beschenkten. Egal, ob sich Leute selbst beschenken und eine Freude machen, oder ob sie anderen ein Lächeln mit meinen kleinen Pixel-Kunstwerken ins Gesicht zaubern. Unbezahlbar. Hier wird die Liebe zum Detail wertgeschätzt. Liebe ich.

 

Screenshot von Pollypixelt auf Instagram

 

.. und was nervt?

Dass der Tag nicht mehr Stunden hat. Habe so viele Ideen, die ich leider nicht so schnell umsetzen kann, wie ich möchte, da natürlich die Aufträge, die reinflattern (immer her damit!) Vorrang haben. Wenn der dicke Kater auf den Tisch springt und du nochmal neu loslegen darfst, nervt das natürlich auch. Oder aber, wenn ich es mit dem Bügeleisen mal zu gut gemeint habe (schmilz schmilz) und ebenfalls alles neu machen darf. Aber: das ist bisher glücklicherweise nur ganz selten passiert.

Home Office oder Büro?

Home Office. Eigentlich habe ich als Mediengestalterin immer lieber im Büro gearbeitet, was aber natürlich auch den Abläufen in der Agentur geschuldet war (oder natürlich weil es einfach Sinn gemacht hat, wenn man im Team an einem Projekt gearbeitet hat). Jetzt liebe ich das Home Office, da ich die Abstimmung mit meinen Lieben (Kunden) ja ohnehin allein übernehme und das klappt über WhatsApp oder per Mail fantastisch. Cool ist natürlich auch, dass ich so tagsüber bei „den Katzenkindern“ bin. Das Home Office erlaubt natürlich auch, dass ich während dem Pixeln netflixen kann. Wo wir direkt wieder beim Thema „was nervt?“ wären: Wenn Netflix mal wieder leergeschaut ist und man neu suchen muss… es darf natürlich nicht zuuuuu gut sein, dass man was fantastisches einfach nur nebenher schaut, aber darf natürlich auch nicht so scheiße sein, dass es selbst für nebenher blöd ist… First World Problems…
 

 

Woher holst Du deine Inspiration?

Aus allem, was mir in meinem Alltag begegnet, in dem ich mit offenen Augen durchs Leben zische. Mich inspiriert die Natur, meine Gaming-Film-Musik-Leidenschaft, die Geschichten, die mir meine „Pixel-Portrait-Menschen“ erzählen, ein Museumsbesuch, ein Abendessen mit Freunden, die ebenfalls gerne tausend Ideen mit mir spinnen (Grüße an Michi und Caro) und und und. Inspiration kann man in allen Dingen finden, wenn man den Übertrag zu seiner Sache findet.

Hast Du Vorbilder?

In Bezug auf meinen Job? Nein. 🙂

Was war/ist die größte Hürde beim Gründen?

Anfangs die Problematik, dass es in Deutschland zwar viele Behörden/Anlaufstellen gibt, aber niemand einen an die Hand nimmt und sagt „Hier, diese Schritte muss du gehen.“ – als ich dann verstanden habe, dass diese Hürde natürlich auch irgendwie Sinn macht, weil man ja auch eben „selbständig“ sein möchte und man sich diese Infos wohl auch SELBSTÄNDIG suchen muss, ging es, ich habe aufgehört zu jammern und Gas gegeben und mir alles an den Stellen zusammengesucht, die man anlaufen muss (Steuerberater, Finanzamt, Krankenkasse, Rentenversicherung).
Schade ist, dass man vielleicht vor allem auch hier bei uns im Siegerland, wo der Mittelstand und die Industrie zuhause sind (und leider die Maschinenbau-Männer im Karohemd DAS Bild der Unternehmer prägen) so oft belächelt und nicht ernst genommen wird. Sogar der Herr beim Gründerbüro hat zu mir gesagt

„Ach jaaaa, Mädchen… Das ist ja auch eher sowas esotherisches. Also, wenn dir das Spaß macht, dann kann man da ja mal ein wenig rumbasteln, wenn dein Mann genug verdient und man sich die Spielerei mal gönnen möchte.“

Das spiegelt leider alles wider, womit ich überhaupt nicht gut kann. Ich hatte vor allem das Gefühl, als würden diverse dieser Stellen dir lieber weiterhelfen, wenn sie A) mehr an dir verdienen können und B) man den x-ten Industriebetrieb gründen möchte, Mann ist und Karohemd trägt. Alles andere ist dann eben „Spielerei“ – zumindest in vielen Köpfen, die mir begegnet sind. Das spornt natürlich aber auch enorm an. 😉
 

 

Was ist Dein erklärtes berufliches Ziel?

So lange mit Pollypixelt den Kühlschrank voll machen, wie möglich. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit meinem anfänglichen Hobby nun meine Brötchen verdienen darf und hoffe, dass mir das noch lange gelingt. Der größte Luxus, den wir haben können, ist, das machen zu können, was wir möchten. Das ist natürlich nicht immer einfach, kostet viel Zeit und vielleicht sind Bügelperlen auch irgendwann einfach „bäh“ und die will keiner mehr… ich hoffe aber, dass meine neuen Ideen auch bald umgesetzt werden können und ich mich immer weiterentwickeln und neu erfinden kann. Niemals einstauben. Das lieben, was man macht – und dafür zu kämpfen.

Was rätst Du anderen Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?

Glaubt an euch und lasst euch von niemandem klein machen. Bleibt trotzdem realistisch und rechnet alles durch. Holt euch Hilfe an den passenden Stellen und dann bleibt nur noch der Sprung ins kalte Wasser. Arschbombe! Auf geht’s!
 
Fotos: Sinan Muslu

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Ina, Du tolle Kreativbombe! So cool, dass Du mitgemacht hast, obwohl Du ja Blogs eigentlich gar nicht magst 😜 und natürlich DANKE für mein eigenes Pollypixelt Unikat! Ich feier Dich, Schwester!

 

 
 

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