Lifestyle Psyche

Mutter-Kind Kur in der Burgklinik Stadtlengsfeld

9. Juli 2018

Ihr kennt mich. Was Andere tun, interessiert mich wenig. Ich mach mein Ding- und höre auf mein Gefühl. Deshalb kommt hier mein ganz persönlicher Eindruck von meiner Kur vor gut drei Monaten. Außerdem gibt es bisher keine persönliche Kritik über die Einrichtung, die Hand und Fuß hätte. Wie auch, über eine psychotherapeutische und psychosomatische Klinik spricht eben auch niemand offen.

Ich schon.

Anfang April 2018 war ich für fünf Wochen raus aus meinem Alltag- grob lässt sich mein Aufenthalt in drei Phasen einteilen:

Phase 1
Die ersten Tage im Online- und Social Media-„Entzug“ musste ich mir selber die Finger vom Handy klopfen. Automatisch zuckten meine Gedanken und meine Hand alle paar Minuten zum Smartphone. E-Mail, Insta, Facebook. Ich wollte sehen, was abgeht!

Phase 2
Ankommen, Runterfahren. Die neue ungewohnte Ruhe genießen, Therapien absolvieren, an mir arbeiten. Mit meiner Tochter die Natur genießen.
Dauerte ungefähr 3,5 Wochen.

Phase 3
Vorbereitung auf Zuhause. In der letzten Woche wollte ich schreiben. Aufschreiben, um nicht zu vergessen, wie es sich hier angefühlt hat. Meine Finger wollten wieder tippen, ich wollte Bilder machen, kreativ sein. Ich wollte schreiben, über die Burg, meinen Aufenthalt. Meine Zukunft.

Fangen wir’s an.

 

 

Die Klinik: 
Dr. Becker Burgklinik Stadtlengsfeld

Die Lage

… ist äußerst pittoresk. „Irgendwo im Nirgendwo“, das hatte ich vorher schon angedeutet, und das trifft es exakt. Inmitten von UNESCO Biosphärenreservaten und vor allem da, wo der Pfeffer wächst. Stadtlengsfeld ist eigentlich ein Dorf in Thüringen, hat aber Stadtrecht, noch von annodazumal. Das hilft dem Ort leider nicht, ca. 2500 Einwohner sind es momentan maximal, eine florierende Gemeinde sieht anders aus.
Ein Mitpatient sagte zu mir kurz nach meiner Ankunft:

Mädsche, dat is hier so n Ort, da willste nich ma tot nicht überm Zaun hängen, ne?!

Aber ganz ehrlich: das war mir scheißegal. Denn ich war einfach nur froh, dort zu sein! Zusammen mit meiner Tochter fünf Wochen Reha antreten zu dürfen. Außer einem Fluss, ein paar Fachwerkhäusern, einem Italiener, der eigentlich Türke ist und ein paar besoffenen, pöbelnden Jugendlichen gibt es dort nicht viel. Es fühlt sich an… wie ein Zustand zwischen idyllisch und trostlos. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Aber genau das brauchen die Menschen, die hier gelandet sind, so dringend: Zeit.

Die Patienten

… sind zwischen 20 und 65 Jahre alt, mehr Frauen als Männer. Sie alle sind vom Leben gebeutelt. Schicksalsschläge reihen sich an überwundene Krankheiten, Traumata, Burn-Outs, Angstzustände.
Hier sind Menschen, die zurück wollen in den ganz normalen Alltag, den es in ihrem Leben schon so lange nicht mehr gab. Vielleicht sogar noch nie?
 

 

Das Personal 

… teilt sich im großen und ganzen in zwei Lager: Angestellte für den medizinischen Part (Ärzte & Schwestern) und Angestellte für den psychotherapeutischen Part (Ärzte & Therapeuten).
Alle sind bemüht, freundlich, stoßen aber an dieselben Grenzen wie wir alle im Berufsalltag: zu viel Arbeit bei zu wenig Personal.
Deshalb empfinden viele Patienten sich als Teil einer Massenabfertigung mit dem Ziel, man möge doch möglichst schnell wieder mit der Diagnose „arbeitsfähig“ entlassen werden. Ganz deutlich muss ich aber auch sagen: der Ton macht die Musik. Wer freundlich ist, bekommt definitiv eine freundliche Antwort. Wer meint, er ist in einem Nonstop-Wellness Paradies, wird bald eines Besseren belehrt.

Unterbringung & Verpflegung

Die Mutter-Kind-Bereiche sowie Patienten mit Hund sind in bestimmten Korridoren untergebracht, der Rest verteilt sich über vier Stockwerke in ganz normale Einzelzimmer. Kategorie durchschnittlich, aber sauber. Wie eine Jugendherberge für Erwachsene. DDas Essen ist abwechslungsreich und geschmacklich in Ordnung, schließlich ist das Haus immer noch eine Reha-Klinik in Thüringen und kein 5 Sterne Resort in Dubai. Der entscheidende Wermutstropfen: Das Servicepersonal im Speisesaal stellt ein externes Cateringunternehmen. Auf zehn Mitarbeiter kommen sieben mürrische Grantler und drei freundliche Damen. Auch, dass der Mutter-Kind-Bereich oft das Essen als Letzter bekommen hat, war massiv ärgerlich.
Dutzende Kleinkinder eine halbe Stunde im Saal sitzen zu lassen, während 75% der Patienten drumherum essen, ist ein No-Go. Dürfte allein schon rein lärmtechnisch einleuchten.

Kinderbetreuung

Einfach anbetungswürdig. Ich habe noch nie so liebevolles Personal erlebt. Familiär, kreativ, geduldig und so bemüht um das Wohl der lieben Kleinen. Meinen größten Respekt an Christina, Monika, Ivetta und Konrad. Vielen Dank für Euren Einsatz und Euer großes Herz!!

 Sport & Physiotherapie (individuell, je nach Therapieplan)

In meinem Fall Klettern, Fitness im Studio, Tanzen, Pilates, Boxen, Schwimmen- Schröpfen, Massagen, Bäder, etc.

Psychotherapie

Meine Therapeutin werde ich so schnell nicht vergessen. Ein Glücksgriff, die mir so manchen Aha-Effekt bescherte. Fordernd und einfühlsam, objektiv und individuell. Eine sehr intelligente Frau, bei der viele ihrer Patienten das Gefühl hatten, sie hätte sie sofort durchschaut.
Danke, Frau Schellenberg.

 

 

Fazit Burgklinik Stadtlengsfeld

Abschaltfaktor: hoch. Stadtlengsfeld umgibt eine tolle Natur und in der Reha habe ich zu 90% eine gute Betreuung erfahren.
(Die Stadt sollte aber unbedingt etwas gegen die Halbwüchsigen tun, die sich fast täglich auf dem Marktplatz betrinken und Patienten anpöbeln.)

Falls ich noch einmal eine Mutter-Kind-Kur antreten sollte, würde ich es aber auch so machen wie die meisten Mütter:
Bei fünf Wochen Aufenthalt bleiben die Frauen drei Wochen MIT Kind, die restlichen zwei Wochen dann allein, und das Kind ist beim anderen Elternteil oder den Großeltern.
Da hier wirklich viel hochkommt und der Aufenthalt sehr emotional und anstrengend ist, kann ich das 3:2 Wochen Modell nur empfehlen.

Wart Ihr auch schon auf Mutter-Kind-Kur? Wenn ja, wo und was waren Eure Erfahrungen?!

 
 

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