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Mutter-Kind Kur in der Dr. Becker Burgklinik Stadtlengsfeld

Ihr kennt mich. Was Andere tun, interessiert mich wenig. Ich mach mein Ding- und höre auf mein Gefühl. Deshalb kommt hier mein ganz persönlicher Eindruck von meiner Kur vor einigen Wochen. Außerdem gibt es bisher keine persönliche Kritik über die Einrichtung, die Hand und Fuß hätte. Wie auch, über eine psychotherapeutische und psychosomatische Klinik spricht eben auch niemand offen. Ich schon. Auf geht’s in die Dr. Becker Burgklinik in Stadtlengsfeld.

Dr. Becker Burgklinik


Die Lage

… ist äußerst pittoresk, inmitten von UNESCO Biosphärenreservaten und vor allem da, wo der Pfeffer wächst. Stadtlengsfeld ist eigentlich ein Dorf in Thüringen, hat aber Stadtrecht, noch von annodazumal. Das hilft dem Ort leider nicht, ca. 2500 Einwohner sind es momentan maximal, eine florierende Gemeinde sieht anders aus. Ein Mitpatient sagte zu mir kurz nach meiner Ankunft:

Mädsche, dat is hier so n Ort, da willste nich ma tot nicht überm Zaun hängen, ne?!

Aber ganz ehrlich: das war mir herzlich egal- ich war einfach nur froh, dort zu sein. Zusammen mit meiner Tochter fünf Wochen Reha antreten zu dürfen. Außer einem Fluss, ein paar Fachwerkhäusern, einem Italiener, der eigentlich Türke ist und ein paar besoffenen, pöbelnden Jugendlichen gibt es dort nicht viel. Es fühlt sich an… wie ein Zustand zwischen idyllisch und trostlos. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Aber genau das brauchen die Menschen, die hier gelandet sind, so dringend: Zeit.

Die Patienten

… sind zwischen 18 und 65 Jahre alt, mehr Frauen als Männer. Sie alle sind vom Leben gebeutelt. Schicksalsschläge reihen sich an überwundene Krankheiten, Traumata, Burn- Outs, Angstzustände. Hier sind Menschen, die zurück wollen in den ganz normalen Alltag, den es in ihrem Leben schon so lange nicht mehr gab.

Vielleicht sogar noch nie?


Das Personal

… teilt sich im Großen und Ganzen in zwei Lager: Angestellte für den medizinischen Part (Ärzte & Schwestern) und Angestellte für den psychotherapeutischen Part (Ärzte & Therapeuten).
Alle sind bemüht, freundlich, stoßen aber an dieselben Grenzen wie wir alle im Berufsalltag: zu viel Arbeit bei zu wenig Personal. Deshalb empfinden viele Patienten sich als Teil einer Massenabfertigung, mit dem Ziel, man möge doch möglichst schnell wieder mit der Diagnose „arbeitsfähig“ entlassen werden. Ganz deutlich muss ich aber auch sagen: der Ton macht die Musik. Wer freundlich ist, bekommt definitiv eine freundliche Antwort. Wer meint, er ist in einem Nonstop-Wellness Paradies, wird bald eines Besseren belehrt.

Unterbringung & Verpflegung

Die Mutter-Kind-Bereiche sowie Patienten mit Hund sind in bestimmten Korridoren untergebracht, der Rest verteilt sich über vier Stockwerke in ganz normale Einzelzimmer. Kategorie durchschnittlich, aber sauber. Wie eine Jugendherberge für Erwachsene. Das Essen ist abwechslungsreich und geschmacklich in Ordnung, schließlich ist das Haus immer noch eine Reha-Klinik in Thüringen und kein 5 Sterne Resort in Dubai. Der entscheidende Wermutstropfen: Das Servicepersonal im Speisesaal stellt ein externes Cateringunternehmen. Auf zehn Mitarbeiter kommen sieben mürrische Grantler und drei freundliche Damen. Auch, dass der Mutter-Kind-Bereich oft das Essen als Letzter bekommen hat, war massiv ärgerlich. Dutzende Kleinkinder eine halbe Stunde im Saal sitzen zu lassen, während 75% der Patienten drumherum essen, ist ein No-Go. Dürfte allein schon rein lärmtechnisch einleuchten.

Kinderbetreuung

Einfach anbetungswürdig. Ich habe noch nie so liebevolles Personal erlebt. Familiär, kreativ, geduldig und so bemüht um das Wohl der lieben Kleinen. Ich brachte meine 5-jährige Tochter morgens um 8:30 in den hauseigenen Kindergarten und je nach Therapieplan holte ich sie nachmittags wieder ab. Die Kleinen machten dort sogar Ausflüge und Picknicks- wirklich ganz wunderbar. Meinen größten Respekt an Christina, Monika, Ivetta und Konrad. Vielen Dank für Euren Einsatz und Euer großes Herz!!

Sport & Physiotherapie

Dieses Angebot ist ganz individuell, je nach Therapieplan: In meinem Fall standen Klettern, Fitness im Studio, Tanzen, Pilates, Boxen und Schwimmen auf dem Programm. Dazu kamen Anwendungen wie Schröpfen, Massagen, Bäder, etc.

Psychotherapie

Meine Therapeutin werde ich so schnell nicht vergessen. Ein wahrer Glücksgriff, denn diese Frau bescherte mir so manchen Aha-Effekt. Fordernd und einfühlsam, objektiv und individuell. Eine sehr intelligente Frau, bei der viele ihrer Patienten das Gefühl hatten, sie hätte sie sofort durchschaut. Danke, Frau Schellenberg. Auch aus den Gruppentherapien konnte ich einiges mitnehmen.

Fazit: Dr. Becker Burgklinik Stadtlengsfeld

Abschaltfaktor: hoch. Stadtlengsfeld umgibt eine tolle Natur und in der Reha habe ich zu 90% eine gute Betreuung erfahren.
(Die Stadt sollte aber unbedingt etwas gegen die Halbwüchsigen tun, die sich fast täglich auf dem Marktplatz betrinken und Patienten anpöbeln.)

Falls ich noch einmal eine Mutter-Kind-Kur antreten sollte, würde ich es aber auch so machen wie die meisten Mütter: Bei fünf Wochen Aufenthalt bleiben die Frauen drei Wochen MIT Kind, die restlichen zwei Wochen dann allein, und das Kind ist beim anderen Elternteil oder den Großeltern. Da hier wirklich viel hochkommt und der Aufenthalt sehr emotional und anstrengend ist, kann ich das 3:2 Wochen Modell nur empfehlen.

Wart Ihr auch schon auf Mutter-Kind-Kur? Wenn ja, wo und was waren Eure Erfahrungen?!

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