Liebe & Sex Lifestyle

Phänomen: “Geister-Liebe”

2. August 2018

Geister-Liebe ist anstrengend. Sie zieht sich über mehrere Jahre, und oft bleibt das Gegenüber nur ein Geist. Kurioserweise bringt sie uns aber genauso durcheinander wie eine reale Beziehung, wenn nicht noch mehr. Weil die Gedanken Achterbahn fahren. Geister-Liebe – was ich damit meine?

Hier ist unsere Geschichte:

Mein Geist heißt Paul. Paul ist Künstler und ich lernte ihn vor fast 10 Jahren auf einem seiner Konzerte kennen. Danach zogen wir bis morgens um 6 um die Häuser, ich stand auf ihn, keine Frage. Aber er hatte eine Freundin und wollte endlich mal treu sein- also lief nichts.

In den folgenden Monaten hatten wir immer wieder Kontakt: erst über Email (Paul hatte meine Adresse ergoogelt), dann via Telefon, Whatsapp, Facebook. Wir hatten beide wechselnde Partner, doch in den stillen Momenten schrieben wir uns.

“Na, wie läufts?”

Wir waren nie ganz überzeugt vom Anderen, aber wir spürten beide diese Verbindung, eine Verbundenheit der Seelen. Vor fünf Jahren dann bekam ich meine Tochter und er gratulierte mir, sagte mir, er würde mich jetzt in Ruhe lassen. Er wünsche mir nur das Allerbeste, sei froh, dass ich endlich angekommen sei. Die nächsten zwei Jahre herrschte Funkpause.

Ich sah auf Facebook, dass auch er mittlerweile Vater geworden war. Ich freute mich, dennoch blieb ein schmerzhaftes Gefühl, weil wir so eng verbunden waren. Unglaublich, denn in all den Jahren war NIE etwas gelaufen. Trotzdem war ich eifersüchtig.

Nach der Trennung vom Vater meines Kindes nahm Paul wieder Kontakt auf. Er war zwar noch in seiner Beziehung, aber zutiefst unglücklich. Wir trafen uns. Und wieder das alte Spiel: es lief nichts, aber dieses unsichtbare Band zwischen uns war so präsent, dass es mir Herzschmerzen bereitete.

Damals entstand auch dieser Artikel, im Dezember 2016. Und das Leben ging weiter. Denn er war wieder Papa geworden, im Rausch, wie er sagte. Ich musste ihn endlich abhaken, diese Geister-Liebe loswerden.

 

 

Das Kuriose: unsere Verbundenheit war so stark wie noch nie. Wieder besuchte er mich. Wir küssten uns, mehr nicht. Wir telefonierten täglich. Erzählten uns von Affären und lieblosen Dates.

Zwei Dumme, die Angst hatten, es auch noch MITeinander zu versauen.

Dann wieder Funkstille, wir mussten unser Leben sortieren, endlich erwachsen werden.

Paul trennte sich schließlich von der Mutter seiner Kinder, war völlig durch den Wind. Ich konnte ihm nicht helfen, wusste, dass das auch wieder nicht der richtige Zeitpunkt war, um sich ihm zu nähern. Ich wollte auch gar nicht mehr.

Ich wollte endlich Sicherheit, Stabilität. Kurz: ich blockierte ihn wieder (mittlerweile sicher zum 15. Mal) auf allen Kanälen.

Dann vor einigen Wochen: eine Nachricht von Ihm auf Instagram. “Ich hab von Dir geträumt. Wie geht es Dir?”

Wieso fällt es uns so schwer, diese Geister lozulassen?

Dieses “Was wäre wenn” zu streichen und zu ersetzen mit “Es IST aber nichts!”. Was treibt zwei junge Menschen, die beide nicht unbedingt auf den Kopf gefallen sind, zu so einer verzweifelten “Liebe”? Es ist ja doch keine Liebe. Es ist wie ein Magnet. Zwei gestörte Seelen, die sich anziehen. Dieses Band, das man nicht erklären kann.

Oder wollen wir nur das, was wir nicht haben können?! Sind wir einfach nur verwöhnte Gören, die sich alle Türen offen halten wollen? Es ist vielleicht nur eine körperliche Anziehung, die uns die Sinne vernebelt?

Kennt Ihr diese “Geister-Liebe”?!

 

  • Reply
    Jessy
    1. August 2018 at 13:39

    Story of my life… ich wünschte ich würde es nicht kenne. Wenn man nie zusammen war kann man eben auch nicht Schluss machen. Und ich finde es gibt da schon auch sowas wie Liebe.. je nachdem eben. Aber irgendwie ist es unter dieser ganzen Traurigkeit auch schön. Und ich weiß, dass da eben dieses “was wäre wenn” und das “nicht loslassen können” aus mir spricht aber ich würde es durch nichts auf der Welt eintauschen.

    • Reply
      heysister
      1. August 2018 at 18:16

      Ja, es kann schon Liebe sein.. Aber eben die ungestüme, heftige, leidenschaftliche. Die Verliebtheit, das Vernarrtsein in eine Vorstellung. Nicht die dauerhafte Liebe auf Augenhöhe, die bleibt… die sich weiterentwickelt, die den Menschen mit allen Fehlern nimmt. Und das ist das Problem.

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