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Kauf oan, spendier oan: der Caffé sospeso erobert Bayern

Endlich, Herrschaften! Heute gibt’s mal wieder gute Nachrichten in diesen wilden Zeiten. Mir ist nach Hoffnung und deswegen schauen wir heute nach München. Dort geben Menschen regelmäßig einen aus- und zwar nicht, weil sie jemanden beeindrucken wollen. Nein, in über 50 Cafés, Restaurants und Bäckereien in der Landeshauptstadt steht nämlich ein Spendierbrett von hey.

hey! un caffè sospeso per favore

Und das wiederum sorgt dafür, dass aus einem Kaffee zwei werden. hey bedient sich der Tradition des Caffè sospeso aus Neapel. Schon seit gut 100 Jahren kann man in bella napoli in vielen Bars zwei Kaffee zahlen, um einen davon zu hinterlegen. Das Getränk wird vom Barista notiert und auf Nachfrage ausgeschenkt. Jede:r darf geben, jede:r darf nehmen. Warum die Geste weit mehr ist als Gutmenschentum, lässt sich anschaulich am Beispiel der bayerischen Landeshauptstadt belegen.

Foto: Susanne Eckes

Zusammenhalt statt Ausgrenzung

Mehr als 17 % der Münchner Bürgerinnen und Bürger leben in relativer Armut. Das sind etwa 269.000 Menschen, von denen jedoch nur rund 129.000 eine staatliche Unterstützungsleistung beziehen. Besonders von Armut betroffen sind ältere Menschen, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sowie Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss. Für den, der den Bon vom Spendierbrett nimmt, ist der bezahlte Kaffee oder die Rosinenschnecke mehr als ein Snack. Er lässt ihn unter Menschen sein, sich als der Teil Gesellschaft sehen und verstehen. Und das Modell macht Schule: in Regensburg geht gerade das Projekt Teilen hilft an den Start.

Foto: Gastfreundschaft hilft Regensburg

Teilen hilft 

Auch hier werden Klemmbretter in verschiedenen Locations verteilt, sogenannte #Teilenhilft Tafeln. Darauf werden die Kassenbons für die bezahlten Drinks und Snacks gepinnt und gut sichtbar platziert. Ins Leben gerufen hat die Aktion das Team von Gastfreundschaft hilft Regensburg. Über 50 Lokale und Cafés haben sich schon bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Nun suchen die Initiatoren noch Bäckereien und andere Unternehmen, die bei der Aktion mitmachen möchten. Mehr Infos unter teilen-hilft.de.

Ps: Welche Städte deutschlandweit noch einen ausgeben, erfahrt Ihr auf der Seite von Suspended Coffee.